Was diese Woche zu kurz kam
00:00:01: Ein letzter Satz, den möchte ich noch verlieren an die Liebe meines Lebens
00:00:04: ohne die eines.
00:00:08: Das war Oberbürgermeister Dominik Rausel nach seinem Sieg bei der Kommunalwahl in München Erste-erste offenqueere Oberbürgermeister Münchens.
00:00:18: Aber queere Repräsentation im Münchner Stadtrat Generell ist schon länger Teil der Geschichte
00:00:23: Fußnoten!
00:00:27: Seit nineteenzeixundneunzig
00:00:34: ist die Rosa Liste eine LGBTQ-Wählerinitiative im Münchner Stadtrat vertreten, und zwar durch Thomas Liederbühl.
00:00:42: Er war somit europaweit der erste Vertreter einer schwullespischen Wählergruppe.
00:00:48: Seitdem hat sich vieles getan und verändert für queere Menschen.
00:00:52: oder doch welche neuen Herausforderungen
00:00:55: gibt es heute?
00:00:57: Warum braucht
00:00:57: das für ihre Sichtbarkeit im Stadtrat?
00:01:01: Was bedeutet queere Repräsentation überhaupt?
00:01:04: Nur etwas Symbolisches oder doch Veränderung.
00:01:08: Anna hat dafür Herr Niederbühl zum Gespräch getroffen.
00:01:11: Ja, also ich bin Thomas Niederbühel.
00:01:13: Ich bin seit sechszig Jahre alt und bin seit dreiundachtzig in der Schwulenbewegung später Queerenbewegungen aktiv und war lange in der ACF Geschäftsführer dreißig Jahre bis April.
00:01:27: auch Stadtrat.
00:01:28: Der erste Stadtrat einer vielen Wellerin-Initiative in Europa, kann man sagen und sicherlich einer der entscheidenden Vorkämpfer.
00:01:40: Okay super!
00:01:42: Wieso würden Sie denn sagen ist Quiresicherheit im Stadtrat?
00:01:47: Wichtigst?
00:01:48: Ich glaube, es gibt viele unterschiedliche Ebenen.
00:01:51: Die eine Ebene ist tatsächlich ein Gesicht zu haben und zu sehen.
00:01:54: Es gibt schule Männer oder lesbische Frauen oder quere Personen wie auch immer in der Öffentlichkeit, auch in der Politik die für unsere Community einstehen.
00:02:04: Das ist so eine Frage von Vorbildfunktion weil ich meine das ist ja ein Defizit mit dem ich mehr oder weniger sehr stark aufgewachsen bin dass es eben gar keine Vorbilder oder irgendwie Personen mit denen man sich identifizieren kann gibt.
00:02:18: Das ist so.
00:02:18: die eine Ebene, die andere ist dass man nicht Politik für irgendjemand macht, sondern dass man selber als Teil und Sprecher der Community die Dinge, die die Community gerade bewegt.
00:02:30: Wo man an Grenzen kommt, wo es wichtig ist was zu tun?
00:02:32: Dass man das auch selbst vertritt.
00:02:34: Das war ja auch der Anlass warum es zur Rosalistik Gründung überhaupt kam.
00:02:39: Und ich glaube, dass das ganz wichtig ist.
00:02:40: Und das Dritte ist natürlich die ganz konkreten Erfolge, die man dann dadurch auch für die Community hat.
00:02:46: Da können wir dann wahrscheinlich nochmal ein bisschen drüber sprechen.
00:02:49: Sie haben ja vorher schon Widerstände erwähnt, so dass als sie aufgewachsen ist es keine konkreten Vorbilder gibt und so weiter.
00:02:55: Da wollte ich direkt mal einschneiden.
00:02:57: sowieso welche Widerstande gab es denn früher?
00:03:00: Also grundsätzlich ist das ja so.
00:03:02: Ich meine ich bin auch im Dorf aufgewachsen.
00:03:03: Es gab überhaupt von schwul.
00:03:06: außer blöde Sprüche und Witze gab's ja gar nichts.
00:03:09: Ja auch in den Medien gab's nix.
00:03:11: also ich mein ich hab ähm... ich glaub die Konsequenz im Nachhinein ein furchtbarer Film, aber er thematisiert eben Homosexualität.
00:03:23: Da hat sich ja Bayern aus dem AD-Programm sozusagen sogar ausgeklingt.
00:03:28: Also es war eine der wenigen Beispiele wo es überhaupt was gab und das Interesse zu merken meint ich mag was von Jungs... was andere Jungs nicht mögen.
00:03:41: Also Mädchen interessieren mich eigentlich nicht und das war erstmal sehr konfliktreich für mich, weil ich eben auch in einer katholischen Schule war und es war nicht so einfach also für mich.
00:03:51: aber ich hatte einen sehr guten Lehrer der mich auch unterstützt hat mit dem ich viele Gespräche geführt habe.
00:03:56: Der sagt mal wenn du so bist wie du bist dann musst du dazu stehen und auch sichtbar werden.
00:04:01: und das waren natürlich ganz ganz hilfreich ja?
00:04:04: In der Politik gab's natürlich gar niemanden.
00:04:06: Ja, ich meine doch lange war das so.
00:04:08: Also als ich in den Stadtrat kam habe ich zum Christopher Street Day dachte auch da könnten noch die anderen Mandatsträger... Ich habe heute alle Münchner Stadträtinnen gefragt und alle Münchener Landtagsabgeordneten ob sie Lust haben mit mir die Parade anzuführen.
00:04:23: Das Ergebnis war sehr bescheiden.
00:04:25: drei Menschen haben zurückgemeldet, die es wirklich toll aktiv gemacht haben zwei von der SPD einen Grüner.
00:04:32: später als die Entwicklung eine ganz andere war, man entdeckt hat dass die queeren Community auch ein Wählerinnenpotential ist.
00:04:39: Plötzlich wollten alle Parteien präsent sein auf der Bühne sprechen und so weiter.
00:04:44: also da hat sich wirklich unglaublich viel getan und das Gefühl zu sagen an dieser allgemeinen gesellschaftspolitischen Entwicklung, die es da gab habe ich meinen Anteil getan.
00:04:55: Das ist natürlich auch ein gutes Gefühl klar.
00:04:57: Ja, das kann ich gut nachvollziehen.
00:05:00: München war ja früher schon ziemlich wichtig als eine Quere-Stadt hier in Europas.
00:05:05: Es waren neben Amsterdam und Berlin sozusagen die wichtigste Stadt.
00:05:10: Und dann ist ... Ich glaube mit AIDS war es dann ... Ist ja denn ziemlich zurückgeschlagen worden sagen wir das mal so?
00:05:19: Und sie waren ja auch bei Viorosa dabei, wenn ich mich nicht täusche.
00:05:23: Möchten Sie dazu noch irgendetwas ändern?
00:05:24: Nee
00:05:24: also diese Achtziger ist schon sehr wichtig!
00:05:26: Ich mein klar, letztendlich bin hier sowas wie Zeitzeuge für diese Aachtziger wo wir halt alle noch gar nicht so sichtbar waren.
00:05:33: Plötzlich kommt dieser tödliche Krankheit-Aids, wo man am Anfang ja gar nicht wusste, wie die Infektionen laufen und wie das ist.
00:05:43: Man hat das Gefühl es wird am Ende alle treffen.
00:05:47: Also jetzt die Krankheit wird uns alle treffen, aber das Politische war natürlich unglaublich.
00:05:52: in Bayern also gerade mit Peter Gauweiler als Grasverwaltungsreferent und dann im Innenministerium und dem Bayerischen Maßnahmenkatalog.
00:06:00: man hat ja versucht durch Zwangsmaßnahmen also das ganze Instrumentarium der Seuchenbekämpfung aus dem XIX Jahrhundert anzuwenden was natürlich total diskriminierend war und ich glaube dass es auch ganz wichtig war für die Politisierung die dann stattgefunden hatte.
00:06:14: Ich meine ich sage mal so Weil wer ist politisch aktiv, das ja überall so.
00:06:19: Es ist halt immer nur ein kleiner Teil und es waren eben sehr studentisch die Schwunbewegung bestimmt.
00:06:25: Und dann gab's noch die kommerzielle Szene von der sich so die siebziger Aktivisten sehr stark abgegrenzt haben.
00:06:31: Da haben wir in den nachtzigern schon aufgehört haben gesagt Nein!
00:06:34: Wir sind eine Community-Szene Haben wir damals gesagt wir sind eine Szene Wir müssen gemeinsam antreten und kämpfen und haben dann eben wirklich Als die Grünen ins Rathaus kam das Vorfeld für mich.
00:06:49: Da gab es auch einen Schulen-Stadtrat, den Gerd Wolter und der sagt okay ich bin im Kulturausschuss jetzt schauen wir mal dass wir städtische Zuschüsse bekommen und da haben wir uns dann wirklich zusammengetan.
00:07:00: Ich war da auch mit so aktiv zu sagen Wir müssen jetzt wirklich als Schule und Lesben uns zusammentun weil wir haben zwar alles sehr unterschiedliche Lebenswelten aber es betrifft uns gesellschaftspolitisch doch wirklich sehr vieles gleich.
00:07:13: Und dann gab es eben diese ersten schwulässwischen Kulturwochen, wie Rosanath hat, mit den Tätoren von der Stadt.
00:07:19: Was sicherlich schon ein Staat auch für die ganze Zusammenarbeit und für die Sichtbarkeit und Unterstützung in der Stadt war.
00:07:26: Ja, aus Neugier.
00:07:27: Waren Sie auch beim ersten CSD dabei?
00:07:29: Nein!
00:07:30: Beim ersten CSC war ich noch nicht in München, das war in den Jahr neunzehnt achtzig.
00:07:33: Ich kam neunzentzwundachzig nach München.
00:07:36: Dreiundachtzig war dann sozusagen... Da bin ich auch erst mal zufällig reingeschlittert.
00:07:41: aber es war die Gründung meiner schulen Gruppe Rosa Freizei.
00:07:45: da war die Grundidee jetzt erstmal gar nicht so politisch sondern wir wollen halt gemeinsam was machen und uns regelmäßig treffen.
00:07:51: Wir hatten eigene Räume am Bavaria-Ringen wo Montags immer der Barabend war und dann war ursprünglich mal so eine Idee, so ein bisschen schwule Volkshochschule was dann aber sehr schnell beerdigt wurde.
00:08:01: Aber es gab tatsächlich Lesekreise oder es gab sogar eine Strickgruppe.
00:08:06: das war einfach wichtig als Gruppe zusammen zu sein und das hat politisiert obwohl das erstmal gar nicht so klingt.
00:08:13: aber nur so.
00:08:14: als Beispiel wir wollten Dann in den Achtziger nach dem Schul schon mit AIDS überall in den Medien war, hatten wir einen Sommerfest geplant.
00:08:22: Mit unserer Gruppe und wollten in der Süddeutschen eine Kleinanzeige machen, schwule Sommerfesten.
00:08:28: Also in der zweite Hälfte der Achtzigern.
00:08:31: Und da hat die Süd-Deutsche gesagt nein also mit dem Wort Schwul drucken sie das nicht, also das ginge nicht.
00:08:37: Und das war dann so, okay, das geht ja nicht.
00:08:40: Dann noch mal viel potenzierter die ganze Anti-AIDS Geschichten, dass man dann sagt, gut da muss irgendwas passieren und wir müssen was machen!
00:08:53: Und dann gab es ja eben die Eltshilfe, die sehr stark von den Schwulmännern gegründet wurde.
00:08:57: Ich war noch nicht dabei, weil ich so das Gefühl hatte, ich mache eh schon zu viel in der Schulbewegung und kann sich auch noch eine Eltsilfe was machen.
00:09:05: Aber es gab dann eben Demos gegen Gauweiler und dann auch gegen den Bayerischen Maßnahmenkatalog.
00:09:12: weltweite Resonanz gefunden hatte, diese riesige Demo die da organisiert wurde und ich glaube dass das mit so einem Schub war zu sagen okay also wir in Bayern haben es ganz besonders schwierig.
00:09:23: Die Erwartung die so war AIDS hatte man irgendwie gehört.
00:09:27: Es gibt diese Schwulenkrebs in Amerika, das war ja so Anfang der achtziger die ersten Infos und man hat da gar nicht so sehr befürchtet dass wir jetzt alle krank werden Anfang der Achziger sondern man hat befürchte es gibt eine totale politische Rückschlag.
00:09:40: Und so kam's ja auch Ja Dass man dann wirklich auf die Straße ging und da gingen eben dann auch Leute aus der Szene auf die Strasse Die vorher gar nicht sich als schwulenpolitisch verstanden haben.
00:09:54: Möchten Sie vielleicht ein paar Beispiele liefern, was konkret Bayern denn gegen Schwule sozusagen gemacht hat in den Achtzigern?
00:10:02: Also es war so.
00:10:02: Es sollte ja sozusagen Zwangstests geben.
00:10:06: also das zumindest sollten.
00:10:08: alle die irgendwie betroffen schwule postituierte und Drogenmenschen sollten eben getestet werden obwohl man ja überhaupt keine Therapien hatte.
00:10:17: also die positives Testergebnis war sozusagen wirklich die absolute Diskriminierung, die man leben konnte.
00:10:25: Wo man sich fragte warum soll ich das eigentlich machen?
00:10:28: Und dann wurde halt die ganze Infrastruktur der Szene angegriffen.
00:10:34: Also was heute absolut logisch ist, dass man den Kneipen da wo die Schulen hingehen kann.
00:10:42: Auslegt also und so was.
00:10:44: Das ging gar nicht, das sei Aufforderung zur Unsucht und da hat natürlich die Aufklärung erschwert.
00:10:50: oder auch Saunen in denen ja immer Sex stattfand.
00:10:53: In den Fuhrensaunen mussten Kontrollgänge gemacht werden und solche Sachen.
00:10:59: Also das war wirklich eine schwierige Zeit und was auch so ein Gefühl gegeben hat dass viele schwulexakten In München kann man nicht bleiben, Bayern ist furchtbar und dann man muss nach Berlin oder nach Köln oder so.
00:11:11: Man muss hier weg.
00:11:12: So eine Verunmenschlichung?
00:11:14: Genau!
00:11:14: Und die anderen, wo ich auch dazu gehörte, die gesagt haben nein also das ist unsere Szene und unsere Community da müssen wir für kämpfen und es muss irgendwie laufen und deshalb war dann irgendwann das Gefühl Wirklich keine Medizin.
00:11:29: also das muss man sich wirklich vorstellen.
00:11:31: wer infiziert war hatte eigentlich keine Perspektive.
00:11:34: ich meine dass sie dann doch bei einigen Gott sei tank geklappt hat aber es sind so viele in meinem umfeld gestorben und beim vielen anderen auch ja dass man dann sagt der mal Müssen wir uns gerade gegen Grauweiler und Coke, müssen wir uns wehren.
00:11:50: Und wir wollen das nicht mehr von außen im Rathaus machen, sondern wir wollen es eben auch selber machen.
00:11:55: Deshalb kam's dann eben Ende der Acht.
00:11:56: Zu der
00:11:57: Gründung?
00:11:58: Ja.
00:11:59: Sie haben ja die Rosaliste gegründet und was mich sehr interessiert ist, haben sie denn ein bestimmtes Erlebnis, dass gezeigt hat, dass ihre politische Arbeit tatsächlich Wirkung hatte?
00:12:14: Sie waren jetzt in den Dreißigjahren?
00:12:16: Ja, in den dreißig jahren.
00:12:17: Nennen sie mir eins das ganz toll war oder
00:12:22: was wirklich sichtbar ist und ganz toll War.
00:12:26: gleich am Anfang hatte ich Ich wollte dass es im öffentlichen Raum irgendwie ein Kunstwerk Denkmal gibt Was AIDS eben zeigt.
00:12:34: Da gab's ja dann eine Wettbewerb auf meine Initiative Und Wolfgang Tillmanns der bis dahin nur als Fotograf bekannt war hat dann das AIDS Memorial am Sendingertor gemacht.
00:12:43: noch steht und wenn ich vorbeigehe, ich sagen kann okay weil ich es mal wollte.
00:12:48: Sie können stolz darauf sein?
00:12:49: Genau.
00:12:49: Und
00:12:50: ähnliche ist das auch mit dem in der Dulstrasse gibt's ja das Kunstwerk zur Erinnerung an die Homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus dieses Bodendenkmal dass auch lange lange lang als halt praktisch zehn Jahre politisches Sitzfleisch und Geduld- und Tatnäckigkeit gebraucht.
00:13:08: Aber das haben wir jetzt auch, dass es so sichtbar ist.
00:13:12: Das andere ist, dass man einfach sagen kann, wir haben die tollste städtisch geförderte Infrastruktur in der ganzen Republik.
00:13:20: Ich meine wo gibt's ein Quierschulecentrum?
00:13:24: Wo gibt's einen Queerlesmenzentrum?
00:13:25: Wohin gibt's eine Davöse?
00:13:26: Die Jugendzentrum.
00:13:27: Jetzt wollen wir noch einen Tin als Transinternonbinäres Zentrum auf dem Weg bringen.
00:13:32: also nur das anzuschauen ist ich mein erfolgreicher geht es ja gar nicht.
00:13:37: Und das finde natürlich ganz prima.
00:13:39: und was jetzt halt natürlich sehr schön war, dass man für diese ganze Zeit von dreißig Jahren ja nicht nur für die Queere-Community, weil das ist immer so ein bisschen schwierig.
00:13:49: So Klientelpolitik und so nein!
00:13:51: Ich meine ich mache Politik sozusagen da wo ich herkomme aber natürlich für ganz München.
00:13:55: Ich mein ganz Münchchen hat was davon wenn die Vielfalt und die bunte Vielfaltung irgendwie stimmt und jeder hat da etwas von und deshalb hatte mich natürlich besonders gefreut jetzt zum Schluss auch noch eine Ehrung vom Oberbürgermeister zu bekommen also die Goldene Bürgermedalte war es natürlich schon auch noch mal nicht unwichtig ist.
00:14:16: Aber so Kleinigkeiten, einfach dass einem in der Kneipe jemand anspricht und sagt mei toll was du alles für uns tust und du hast immer ein Vorbild das natürlich auch ein tolles Gefühl.
00:14:26: Welche politischen Widerstände also vielleicht den Jahren von der Gründung oder dann auch als sie dann ins Rathaus gekommen ist?
00:14:34: Welche Widerstande gegen Quere oder halt generell Mit was für Schwierigkeiten mussten sie entgegenkommen?
00:14:42: Also das eine war natürlich so auf dieser persönlichen Ebene.
00:14:45: Ja, ich meine da kommt jetzt ein Schulerstattrat einer schulastischen Wählerin-Initiative.
00:14:51: Ich meine da war die Frage natürlich bei einigen Was ist es für einen bunter Vogel?
00:14:55: Was will der hier eigentlich?
00:14:56: also da war schon sehr viel.
00:14:58: Ich sage mal, abschwarten bei den Kolleginnen und vorsichtig.
00:15:04: Aber natürlich unterschiedlich.
00:15:07: Jetzt bin ich zu dem Spektrum der Parteien.
00:15:09: Bei Grünen war eher großes Interesse und Unterstützung.
00:15:14: Die CSU war sehr skeptisch.
00:15:17: Man muss auch sagen ... Also wirklich, ich meine allein erreicht man ja gar nichts.
00:15:22: Ich mein man ist so ein bisschen Initiator und Multiplikator und Anwalt und das durch die Fraktionsgemeinschaft mit den Grünen natürlich immer ein gutes Standing war.
00:15:33: auch mit der SPD habe ich ja die meiste Zeit mit regiert.
00:15:37: Die CSU hat lange gebraucht bis sie so weg aus dieser Antioch an die schweren Ecke wollte.
00:15:45: Also Anteim waren sehr einfach überall dagegen, es gab dann auch manchmal so eine komische kleine rechtsliberale Gruppe bunt freier Bürger, die alles möglich in Frage gestellt hat.
00:15:58: Aber ich würde sagen Zeit, bestimmt seit fünfzehn Jahren oder so, hat auch die CSU einen Wandel gemacht, wobei ich nicht sicher bin wie tragfähig der bleibt Muss man abwarten, aber das ist eigentlich ganz schön zu sagen.
00:16:13: Okay da war viel Skepsis, viel Ablehnung oder auch so ein bisschen... Man tat so als wäre man auf meiner Seite und dann doch nicht.
00:16:23: also es war manchmal ein bisschen nicht immer so einfach, aber ich glaube dass man so im Nachhinein sagen muss Ich glaube wir waren die Erfolgsreiste, erfolgreichste soziale Bewegung in diesem Rad.
00:16:33: Die sind dieses Rathaus geschafft hat mit den ganzen Erfolgen und wirkliche Rückschläge.
00:16:40: also es gab manchmal Widerstände, es gab auch manchmal wo man einfach Zeit gebraucht hat.
00:16:45: allein dieses ich meine nur als Beispiel dieses Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus ja da waren dann so.
00:16:51: Ja ja verstehen wir alles sind eigentlich ganz auf deiner Seite weil wir können jetzt nicht für jede Opfergruppe nochmal irgendeinen Denkmal.
00:16:58: Und wir haben doch eigentlich schon den Platz der Opfer und so, ne?
00:17:01: Und da immer wieder dran zu bleiben, zu sagen Nein!
00:17:04: Wir wollen auch sichtbar sein.
00:17:06: Es darf gar keine Hierarchie der Opfergruppe wäre wichtiger und wer weniger wichtig ist oder sowas passieren.
00:17:13: Und es muss auch sichtlich sein.
00:17:14: Und mein dann macht zehn Jahren hat's dann geklappt ja.
00:17:18: Ja und auch generell über die Jahre jetzt ist die Gesellschaft ja aufgeklärter und ich würde sagen, dass alle generell offener sind.
00:17:28: Aber jetzt in der letzten Zeit wird das dann wieder leicht kritisch.
00:17:32: und da wäre meine nächste Frage welche Subtilerin oder neuen Formen von Herausforderungen gibt es denn heute?
00:17:40: Also ich glaube ganz grundsätzlich, ja es gab diese riesigen Erfolg also das ging immer aufwärts.
00:17:46: Auf der anderen Seite es kam natürlich immer ein Bodensatz von rechts und konservativen und Dynamics anfangen konnten aber die sich auch gar nicht so getraut haben das so öffentlich zu sagen sondern man hat das Gefühl es ging immer weiter Ja?
00:17:59: Aber wir haben jetzt seit ein paar Jahren wirklich diese ganze Gefahr von rechts wo hier wirklich Antiquieren vor allem Antitrans zu einem zentralen Thema geworden ist dass man sagen muss okay Vorsicht.
00:18:12: Also so einfach bergauf immer geht es nicht, das kann jederzeit wieder Rückschläge geben.
00:18:17: wir müssen gemeinsam auch mit trans auch wenn man selber nicht trans ist finde ich das für die Community unwahrscheinlich wichtig zu sagen Wir sind eine solidarische Community und stehen gemeinsam ein weil wenn's die einen zuerst trifft irgendwann die anderen.
00:18:31: auch das muss man sich wirklich klar machen und zu sagen ok die Brandmauer gegen rechts die muss einfach stehen wo sie jetzt schon so Ausläufer hat in katholisch-traditionalistischen Kreisen oder fundamentalistische Kreise, da muss man unglaublich aufpassen.
00:18:49: Ich meine es schon in den Vereinheiten allein wenn wir nach Berlin schauen.
00:18:53: ich will gar nicht auf die Bundespolitik groß eingehen aber wie man mit dem Selbstbestimmungsgesetz umgeht?
00:18:59: ich mein wieder sozusagen trans Frauen die sonst wirklich Opfer sind und angegriffen werden jetzt plötzlich zu potenziellen Täterinnen, von denen irgendjemand geschützt wird.
00:19:10: Also das sind alles so Debatten.
00:19:11: oder dass die Bundesregierung sagt okay wir machen einmal im Jahr am siebzehnten Mai zum Eider-Hobbit da machen wir die Regenburgenfahne aufs Parlament aber ansonsten zum CSD und so nicht.
00:19:22: ja den Begriff der Quierbeauftragten schaffen wir ab und so.
00:19:26: Da merkt man schon da gibt es Es funktioniert auch, dass die Rechten sozusagen Themen setzen.
00:19:32: Wo die Konservativen eben doch nicht so klar sich abgrenzen und da sind wir weiter hingefragt.
00:19:37: also zu sagen Mai ist alles wunderbar wird immer besser wir können heiraten ja Mai das sind viele Erfolge aber es zu wenig.
00:19:45: und da ist schon Vorsicht angesagt.
00:19:50: wo steht denn ihrer Meinung nach noch Handlungsbedarf im Stadtrat?
00:19:54: Also ich glaube gerade jetzt, wo die Haushaltssituation so schwierig ist.
00:19:59: Ist das allerwichtigste?
00:20:01: All diese Infrastruktur, die geförderte Infrastruktur die wir da so geschaffen und erreicht haben, inklusive der Kontinierungsstelle für zur Gleichstellung für LTVDIQ, die eine städtische Startstelle beim Oberbürgermeister ist und für uns unglaublich wichtig, dass also all Zentren, Beratungsstellen KKL dass das alles auch erhalten bleibt und nicht so nach dem Motum ja es wird jetzt finanziell eng dann verzichten wir irgendwie auf diese queeren Sachen, aber das ist ja kein Luxus.
00:20:30: Das ist einfach Notwendigkeit und ich glaube dass wir da jetzt ganz gut dastehen durch die Koalition, die jetzt da ist also schwulnen Oberbürgermeister Grün-Rosa als stärkste Fraktionen, Rosaliste ist weiterhin da vertreten.
00:20:44: Also das ist ganz gut, aber trotzdem muss man da immer Politik offenbart sich dar wo sie dann zahlt oder nicht zahlt.
00:20:53: Also reden kann man viel, aber ob die Zuschüsse und das Geld stimmt... Da muss man wirklich aufpassen, dass es da keine Rückschritte gibt.
00:21:03: Und natürlich gibt's noch weitere Ziele.
00:21:05: Eines ist eben dieses transinternonbinäre Zentrum, das wir haben wollen und was sicherlich auch bald kommt.
00:21:13: Da bin ich ganz sicher!
00:21:14: Wenn erst mal nur so als Interim wegen den Finanzproblemen, Man hat mal Räume, man hat einen Träger.
00:21:21: Die probieren das und schauen wie es angenommen wird.
00:21:24: Also das wäre ganz wichtig!
00:21:25: Anderes Lieblingsthema von mir ist ja... Stichwort queeres Museum, ich meine es ist natürlich sehr groß vom Begriff.
00:21:34: Aber wir haben ja ein ganz tolles Archiv des Forms Vierers Archiv die ja wirklich außer Community selber die Geschichte sammeln bewahren aufarbeiten präsentieren.
00:21:47: aber sie haben zu wenig sichtbare Ausstellungen und da wäre natürlich so der nächste Schritt zu sagen Ja Die könnten Ausstellungen machen.
00:21:54: Es könnte auch ein Teil im Stockmuseum sein und irgendwann könnt es sich daraus dann wirklich ein klares Museum entwickeln, damit wir unsere eigene Geschichte eben nicht vergessen.
00:22:04: Nicht den Eindruck haben wir es halt schon immer so wie's jetzt ist weil ich mein gerade der CSD ist für mich auch immer so ein Beispiel wo alle denken meint das ist ja schon sehr lange so dass er so riesig ist usw.
00:22:14: So lange ist es doch nicht.
00:22:16: Achtzig ging´s los in den neunzigern.
00:22:18: Ich erinnere mich, da haben wir mal noch eine Fahrrad-Demo gemacht damit es ein bisschen nach mehr aussieht.
00:22:25: Also bis überhaupt dann nach der Demo sozusagen ist auch mal einen Gastrostand gab geschweige denn riesiges Straßenfest wie jetzt das hat ja alles gedauert.
00:22:36: So in den Zehnern ist es ganz sehr dann sehr kommerziell geworden also dass es hier auch dann sehr profitabel für die großen Konzerne gewesen sich queer darzustellen oder sich queerfreundlich darzusteln.
00:22:50: Also das ist sogenannte Pinkwashing, so meinen Sie diese Sichtbarkeit die dann halt dadurch betrieben wird dass sie tatsächlich politisch wirksam ist?
00:23:00: Oder ist es nur fürs Image?
00:23:02: also da muss man ein bisschen aufpassen.
00:23:04: ja Also wir jetzt vom CSD in München, wir haben natürlich die Gefahr schon gesehen.
00:23:11: Wir haben gesagt, wir wollen nicht dass die Politparade zum Werbefeldzug wird mit dem neuesten Haarfestiger und den neuestem Nestcafé oder irgendwie sowas.
00:23:21: ja und haben klare Bedingungen wie er sich beteiligen darf nämlich als Unterstützer für Communityprojekte.
00:23:29: oder es gibt auch in vielen Firmen tatsächlich auch viele Netzwerke von den Mitarbeiterinnen.
00:23:36: die machen dann einen Wagen und dürfen sich natürlich gern von ihrer Firma auch unterstützen lassen.
00:23:41: Aber letztendlich, warum soll ich in einer sehr aktiven queeren Mitarbeiterinnengruppe vom BMW nicht erlauben mit dabei zu sein?
00:23:52: Also da gab es wirklich... also wir waren immer sehr vorsichtig.
00:23:54: Ich glaube auch diese ganze Frage von Werbung, also Promotionartikel
00:23:59: usw.,
00:23:59: das hat man wirklich zurückgetränkt, dass wir das nicht stattfinden.
00:24:05: Gleichzeitig ist es halt so eine Ambivalenz glaube ich zwischen wenn wir groß und sichtbar sein wollen und ich finde das größere und vielfalt schon auch ein wichtiges Signal ist kommt man an den Firmen und den Sponsoren nicht vorbei.
00:24:21: gleichzeitig merken dann auch man darf sich nicht abhängig machen.
00:24:24: also jetzt Mit Trump und mit der Vorsichtigkeit und den Rückzug von vielen Sponsoren ist ja der CSD finanziell in eine Schieflage gekommen.
00:24:36: Also das Rainbowwashing oder Rain, das finde ich schon sehr schwierig.
00:24:39: Ich sage immer wenn ich im Supermarkt dabei bei einer Drogerie stehe und sehe okay es gibt jetzt den Wodka-Mitregenbogenfarben und die Hautcreme-Mittregenburger Farben
00:24:50: usw.,
00:24:51: also dafür haben wir nicht gekämpft.
00:24:55: Aber okay, wenn es sichtbar ist.
00:24:58: Es soll so sein und viele finden es auch gut.
00:25:00: Ich bin da immer ein bisschen gespeichert.
00:25:03: Aber grundsätzlich würde ich erst mal nicht jedem Rainbow Washing Vorwerfe oder Pink Washing aber ich würde natürlich auch überprüfen.
00:25:13: also ich meine Firma die die Regenmumfahne vor dem Haupteingang gewähnt hat aber wo keine Netzwerke sind was keine finanzielle Sponsoring oder Unterstützung in der Szene gibt.
00:25:25: Ich meine, das würde ich natürlich auch dann jederzeit öffentlich machen klar.
00:25:29: Es gibt Firmen, wo ich sage denen glaube ich das sofort.
00:25:34: Gut, ich kenne jetzt die Sparkasse.
00:25:36: Die Münchner Sparkasse ist sehr gut, die da auch erst seit ein paar Jahren wirklich aktiv ist weil sie dass denen wirklich eine Herzensanliegen ist zu sagen wir sind die Spark hasst du der Münchnerinnen und wir unterstützen diese ganze Vielfalt.
00:25:48: Und natürlich auch den CSD, da dem man ja das ist ernst und ehrlich – das weiß ich!
00:25:53: Da hab' ich natürlich kein
00:25:54: Problem.".
00:25:55: Wie meinen Sie hat Pinkwashing Auswirkungen dann auf die generelle Gesellschaft?
00:26:00: so?
00:26:02: Also ich bin ein bisschen großzügig.
00:26:04: Ich sag da wo es wirklich ernsthaft ist und gut läuft.
00:26:08: Ja, hat's natürlich eine Auswirkung weil zu einer Verbesserung mehr Sichtbarkeit stattfindet.
00:26:13: Und da, wo man das Gefühl hat, es ist ihr reine PR.
00:26:17: Es schadet nicht aber es nützt auch nichts.
00:26:20: Ja, das ist ...
00:26:23: Stimm ich Ihnen zu?
00:26:24: Ja!
00:26:25: Super!
00:26:25: Das ist vielleicht manchmal ein bisschen so... dass es mir auch zu viel ist, weil ich man entwerte natürlich auch die Regenbogen-Schlacke wenn sie plötzlich überall ist.
00:26:34: Ich sage mal als Beispiel ganz früher als es los ging mit der roten Schleife bei dem Welt AIDS-Thema Am Anfang dachte ich mir, wer alles diese rote Schleife trägt.
00:26:48: Ich habe gesagt, wenn jetzt noch der Bundeskanzler die roten Schleifen trägt, dann hört es aber auch damals.
00:26:53: Weil die Politik halt eine ganz andere war, hat aber natürlich trotzdem zu einer gesellschaftlichen Solidarität und Sichtbarkeit enorm beigetragen.
00:27:02: Und deshalb bei Regenbogen ja.
00:27:05: Aber Vorsicht!
00:27:08: Wer ist alles so vor sich erträgt?
00:27:12: Das Gespräch hat uns gezeigt, dass mit queeren Menschen in der Politik viel bewegt werden kann.
00:27:18: Die Rosaliste hat in dreißig Jahren einiges in München erreicht aber trifft nun wie viele andere auch auf neue Widerstände.
00:27:26: Ein Niederbühl beschreibt im Interview was quere Repräsentation für ihn heißt und was er als Vertreter umgesetzt und erlebt hatte.
00:27:35: Damit sind wir am Ende dieser Folge angekommen.
00:27:37: Wenn euch der Podcast gefallen hat abonnier und bewertet ihnen gerne.
00:27:41: Die Details findet ihr in den Show-Notes.
00:27:44: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten
00:28:12: Mal!