Was diese Woche zu kurz kam
00:00:00: Als JD Vance behauptet hat, dass in Europa die Meinungsfreiheit in Gefahr ist, fand ich sehr ironisch.
00:00:05: Also eine
00:00:06: Nachricht, die mich sehr schockiert
00:00:07: hat war im
00:00:07: Dezember twenty-fünfundzwanzig.
00:00:10: da gab es ja sechzehn Tote bei einem Angriff am Bondi Beach in Australien und an dieses Attentat
00:00:16: muss ich bis heute
00:00:16: noch denken.
00:00:19: im Europaparlament einfach veganen Ersatzprodukten sozusagen
00:00:24: das Recht
00:00:25: abgesprochen wurde, sich zu nennen wie tierische
00:00:28: Produkte.
00:00:29: Meine
00:00:30: Nachricht des Jahres war immer groß, als ich Taylor Swift und Travis Cassie verlobt
00:00:33: haben.
00:00:48: Schließlich muss man heute nicht mehr aktiv die Tagesschau einschalten oder die Zeitung am Kiosk kaufen.
00:00:55: Denn Nachrichten-Apps, Podcasts und Social Media ermöglichen es rund um die Uhr up to date zu sein!
00:01:01: Die Deutschen sind nachrichtenmüde – insbesondere junge Menschen sind von der sogenannten Nachrichtenvertiege betroffen.
00:01:08: In einer Umfrage gaben Befragte zwischen achtzehn und vierundzwanzig Jahren als Gründe vor allem Themenmüdigkeit, schlechte Laune und emotionale Erschöpfung durch die Menge an oftmals negativen Informationen an.
00:01:21: Außerdem empfinden viele junge Erwachsene Nachrichten für sie persönlich als nicht wichtig oder verständlich, zu viel zu erschöpfen, zu schwerverständlich und zu langweilig – das ist es also was viele Menschen gerade mit Nachrichten verbinden!
00:01:36: Solche Umfrageergebnisse geben natürlich auch uns als Nachrichtenressort zu denken.
00:01:41: Nachrichten auswählen, schreiben und komplexe Themen verständlich verpacken ist schließlich unser Tagesgeschäft!
00:01:47: Und vor allem hier bei den Fußnoten haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, Themen zu behandeln die es vielleicht nicht in die zwanzig Uhr Nachrichten schaffen aber für euch genauso relevant sind.
00:01:57: Unterm Strich lässt sich also sagen manche Themen sind ganz groß andere vielleicht eher nie schick.
00:02:03: Das macht sie aber natürlich nicht weniger wichtig.
00:02:06: In dieser Sonderfolge machen wir unser Motto, was zu kurz kamen zum Programm und beschäftigen uns mit Nachrichten, die in der Berichterstattung des vergangenen Jahres vergleichsweise wenig auftauchen – vielleicht sogar vergessen wurden!
00:02:33: Unsere Redakteurinnen haben auf twenty-fünfundzwanzig zurückgeblickt und sich
00:02:37: Gedanken gemacht
00:02:38: Welche Themen ihnen in den Nachrichten gefehlt haben?
00:02:41: Alles können wir in einer Folge natürlich nicht unterbringen.
00:02:44: Für heute haben wir zwei vergessenen Nachrichten ausgewählt und für unser erstes Thema bleiben wir direkt vor der eigenen Haustür, denn nicht nur internationale Sachverhalte gehen manchmal in der Berichterstattung unter!
00:02:59: Wir haben ja bei die Rangliste der vergessenen Nachrichten von der Initiative Nachrichtenaufklärung und der Nachrichtenredaktion des Deutschlandfunks gesprochen.
00:03:08: Unser nächstes Thema ist selbst auf dieser Liste nicht zu finden, obwohl es uns alle direkt betrifft!
00:03:13: Es geht nämlich unter anderem um das Lieblings Smalltalk-Thema der Deutschen – jetzt wisst ihr eh schon worauf ich hinaus will oder?
00:03:20: Ja klar….
00:03:21: Das Wetter.
00:03:22: Wir sind ja gerade mitten im Februar, draußen ist es zwar ordentlich kalt aber wenn wir unsere Außentemperatur mal mit anderen Ländern vergleichen haben wir's doch noch recht gut.
00:03:33: Daher ist Deutschland eigentlich ziemlich hoch im Norden unseres Planetens.
00:03:37: Warum?
00:03:38: Es bei uns im Winter nicht arktisch kalt wird obwohl wir gar nicht so weit weg von der Arktis sind?
00:03:43: darüber will ich heute mit Mara und Philipp sprechen.
00:03:46: Hallo ihr zwei!
00:03:49: Genau, Toronto liegt ja beispielsweise ungefähr auf der Höhe von Südfrankreich.
00:03:54: Trotzdem frieren die dort bei minus zwanzig Grad komplett weg während wir hier oft so weit um die Nullgrad liegen.
00:04:00: Dabei ist München ja sogar noch weiter nördlich!
00:04:03: Wieso ist das denn so?
00:04:05: Ja es liegt tatsächlich nicht daran dass wir einfach irgendwie Glück haben oder so sondern an einer riesigen Schrömung im Atlantik, die uns Wärme aus dem Süden bringt.
00:04:14: Also sorgt die dafür, dass es bei uns insgesamt milder ist Genau.
00:04:18: Also hat Europa sowas wie eine geheimer Heizung?
00:04:23: Genau, und die liegt im Ozean.
00:04:24: Die meisten Leuten ist der Golfstrom ja ein Begriff.
00:04:27: Der ist aber nur ein Teil des größten Strömungssystems in den Weltmeeren.
00:04:32: Das quasi unsere Heizungen sind.
00:04:33: das Problem ist nur diese Heizunge wird gerade schwächer
00:04:36: Und das erhält nicht so viel Aufmerksamkeit wie es sollte.
00:04:39: Deswegen sprechen wir heute darüber.
00:04:41: Wieso ist das Thema denn?
00:04:42: eine vergessene Nachricht?
00:04:44: Wenn wir über Klimawannen reden dann geht es ja meistens um Hitzewellen, Brände, Dürren, Überschwemmungen und so.
00:04:52: Aber das sind alles Sachen die man direkt sieht und mit krassen Bildern verbindet.
00:04:57: Ja
00:04:57: genau!
00:04:58: Und kaum jemand redet über die Ozeanströmung, obwohl sie für Europa wahrscheinlich mit das wichtigste Klimathema überhaupt sind?
00:05:05: Ich glaube, dass liegt einfach daran, dass alles unsichtbar ist für uns.
00:05:09: Also es ist einfach zu groß im Ozeaan.
00:05:13: Da brennt natürlich kein Wald laufen total langsam ab für unser Menschesverständnis, nicht in Wochen sondern über Jahrzehnte und zum Teil sogar über Jahrtausende hinweg.
00:05:26: Und ich glaube wir nehmen das Militärklima einfach als normal wahr.
00:05:28: dabei ist es eigentlich total untypisch unsere geografische Lage.
00:05:33: Übrigens wenn man von der Atlantikströmung spricht, meint man meist die atlantisch-medionale Umweltszirkulation abkürzt Die Amok Ziemlich sperriges Wort.
00:05:46: Um die Amok besser zu verstehen, haben wir uns deswegen mit Expertinnen auf dem Gebiet unterhalten.
00:05:52: Prof.
00:05:53: Dr.
00:05:53: Gerrit Lohmann ist Forscher am Alfred Wegener Institut in Bremerhaven.
00:05:58: Er untersucht die Dynamik des Klimas auf langen Zeitabschnitten.
00:06:02: Er hat uns die Amuk so erklärt!
00:06:04: Das ist eine Beschreibung davon, dass im Atlantik viel Masse und damit auch warmes Wasser aus niedrigeren Breiten in hohe Breiten transportiert wird.
00:06:14: Und Teile dieses Warmwassers geben wärmer an die Atmosphäre und dadurch haben wir in unserer Breiten also Deutschland relativ mildes Klima gegenüber dem selben breiten Grad im Pazifik wo es so eine Strömung nicht gibt.
00:06:29: Das heißt
00:06:29: im Prinzip wir kriegen durch das Meer in Europa Wehrmaus den Tropen, obwohl wir sehr weit im Norden liegen.
00:06:34: Dabei sind laut Herr Lohmann drei Antriebsmechanismen treibend.
00:06:38: Es ist der Wind, der einen großen Teil ausmacht und das Wasser an der Meeresoberfläche bewegt.
00:06:44: Das trägt beispielsweise zum Käufstrom bei.
00:06:47: Zweitens sind Salzgehalt und Temperaturen ausschlaggebend.
00:06:50: Salzhaltiges und kaltes Wasser ist nämlich dichter, und dadurch schwerer als warmes salzarmes Wasser.
00:06:56: Vor Grünland fällt deswegen quasi der größte Wasserfall der Erde in die Tiefen des Ozeans – weil dort Wasser absinkt.
00:07:03: Das Feinde zieht wiederum Oberflächenwasser nach und wirkt dadurch wie ein Förderband oder eine Pumpe.
00:07:09: Und der letzte Prozess, der noch wichtig ist, ist mechanisch!
00:07:12: Das heißt einfach, dass sich Wasser durch die Gezeiten vermischt und für Temperaturausgleich sorgt.
00:07:18: Also ein ganz schön komplexes System insgesamt... ...und dieses System besteht eigentlich schon seit tausenden von Jahren.
00:07:26: Okay!
00:07:26: Und dieses alte System verändert sich jetzt?
00:07:29: Das Problem ist der Klimawandel.
00:07:31: In Grönland unter Arktisch melzen dadurch die Eismassen.
00:07:34: Genau!
00:07:35: Dieses Schmelzwasser ist ja Süßwasser.
00:07:37: Das klingt erst mal harmlos aber es ist physikalisch richtig problematisch Denn das Salzwasser mehr ist dichter und schwerer als Süßwasser.
00:07:44: Und das Absinken im Norden, das funktioniert nur weil das Wasser kalt und sehr salzig ist.
00:07:49: Wenn jetzt immer mehr Südswasser dazu kommt wird das Wasser leichter.
00:07:53: Somit sinkt es schnell schlechter ab selbst wenn's abkühlt.
00:07:58: Das bedeutet wenn schlechter absinkt wird die ganze Umwelt Strömung langsamer.
00:08:02: Alles klar!
00:08:03: Gibt es wirklich Beweise oder ist das nur Theorie?
00:08:06: Ich meine wie sind ForscherInnen darauf gekommen?
00:08:09: Nein, es ist auf keinen Fall nur Theorie.
00:08:11: Es gibt seit Jahrzehnten ein großes Messsystem im Atlantik – das Rafit Array!
00:08:15: Die messen ständig wie stark die Strömung ist und die Ergebnisse zeigen, dass Amok schwankstark.
00:08:21: Erst wenn man diese Daten mit Klimamodellen und dem Wissen über die Erdvergangheit kombiniert sieht man ein klares Bild.
00:08:27: Die Amock verliert langfristig Ankraft.
00:08:29: Sie bricht nicht morgen zusammen aber sie wird messbar schwächer.
00:08:32: Frau Professorin Dr.
00:08:33: Bayer aus dem Fachbereich Meereskunde und Erdsystemwissenschaften der Universität Hamburg hat uns erklärt, wie genau die Messungen stattfinden?
00:08:40: Wir im Messmethoden
00:08:43: gibt es mehrere.
00:08:43: Es gibt einerseits
00:08:44: das was ich jetzt eben beschrieben habe wirklich Messung über die Tiefe gemacht
00:08:47: werden.
00:08:48: Das wird
00:08:48: mit Bojen gemacht, also wir nennen sie Verankerung wo wirklich
00:08:54: über Messinstrumenten
00:08:55: letztlich an Ankerketten hängen, die am Boden festgemacht sind Salz, Gehalt und Druck messen.
00:09:03: Das
00:09:03: ist die eine Missmethode aus der dann die Geschwindigkeiten abgeleitet
00:09:08: werden.
00:09:08: Wir können also mit sehr aufwendigen Methoden simulieren wie sich das System in Zukunft bei verschiedenen Klimawandel-Szenarien verhält.
00:09:18: Und genau da kommt der Begriff Kipppunkt ins Spiel.
00:09:22: Ein Kipp Punkt bedeutet dass ein System einer Art Schwelle überschreitet.
00:09:26: Bis dahin reagiert es noch relativ stabil auf Veränderungen, aber jenseits dieser Schwelle kann es in einen völlig neuen Zustand kippen und der neue Zustand ist oft nicht mehr rückgängig zu
00:09:37: machen.".
00:09:55: Und das beunruhigende ist im Endeffekt, man weiß nie genau wo der Punkt überhaupt liegt.
00:10:01: Also es können wir nicht ganz so genau feststellen vorher.
00:10:04: Kipppunkte sind also nicht wie ein Datum im Kalender eher wie eine Art unsichtbare Linie von der wir erst merken dass wir sie überschritten haben wenn es eigentlich schon zu spät ist.
00:10:15: und genau deshalb ist die entscheidende Frage was würde so einen kipppunkt konkret für uns in europa bedeuten?
00:10:22: Naja auf jeden Fall kältere und unberechenbare Winter, mehr Extremwetter und stärkere Schwankungen insgesamt im Wettersystem.
00:10:32: Mir fällt noch ein veränderte Niederschläge.
00:10:35: Manche Regionen können trockener sein, andere nasser.
00:10:38: aber entscheidend ist dass sich Europa paradoxerweise langfristig um mehrere gerade abkühlen könnte während sich der Restewelt weiter aufheizt.
00:10:46: Und das alles hätte natürlich massive Folgen für die Landwirtschaft, die Energieproduktion und unsere Ökosysteme.
00:10:54: Das heißt, der menschengemachte Klimawandel für die Neuropa ja mit großen Treibhausgasemissionen ziemlich stark mitverantwortlich ist.
00:11:02: Der könnte am Ende unserer Lebensgrundlage hier ganz schön in Mitleidschaft ziehen.
00:11:05: Professor Lohmann meint dazu
00:11:08: Wir sind als Menschen leider so doof gerade dass wir alles dafür tun und natürlich auch die Leute, die gerade viel zu sagen haben, tun alles dafür um das Experiment möglichst extrem zu machen.
00:11:20: Die Antwort auf die Frage hängt im Grunde von uns ab, was wir machen.
00:11:23: Wie stark die Erwärmung sein wird, wird größtenteils auch dazu führen wie groß sind die Erbärmungen?
00:11:29: Wie groß sind Auswirkungen und Extreme Ereignisse?
00:11:32: Und was ist die Auswirkung auf die Amok?
00:11:33: Also im Grund kann man nie mal Daumen sagen je wärmer das System wird, desto wecher wird die Amock.
00:11:39: und man redet so um sagen Mal dreißig bis fünfzig Prozent Abspechung ist der typische Bereich für diese Erwährungs-Szenarien, die wir uns gerade selber hinlegen.
00:11:50: Also wird die Armour jetzt nicht ganz verschwinden, aber trotzdem deutlich schwächer sein als jetzt.
00:11:55: Und das Krasse ist, die Atlantikströmung ist nur ein Teil eines riesigen Netzwerks.
00:11:59: Schmelzt ins Ei, schwächt die Strömung eine.
00:12:00: schwächere Strömungen verändert Wettersysteme weltweit zum Beispiel die Monsune und es kann Düren verstärken und Dünen können permafrost auftauen.
00:12:09: Der ist jetzt wieder zusätzliche Treibhausgase frei.
00:12:12: Eine richtige Domino-Kette also?
00:12:14: Kritisch ist vor allem wir merken erst wie wichtig die Atlantisströmmung
00:12:19: ist
00:12:20: wenn sie uns dann fehlt.
00:12:22: Unser stabiles Klima in Europa, das hängt an einem viel größeren globalen System, dass unsichtbar komplex und empfindlich
00:12:31: ist.".
00:12:32: Wenn wir über Hitzerekorde reden, schwächelt im Hintergrund die Maschine, die Europa überhaupt erst so warm und bewohnbar
00:12:38: macht.
00:12:39: Die Atlantikströmung ist eines der größten Klimarisiken und gleichzeitig eines der am wenigsten Beachteten.
00:12:45: Frau Bayer sieht das so...
00:12:46: Wir sind jetzt schon dem Klimawandel ausgesetzt und müssen uns darauf vorbereiten, dass wir die Auswirkungen des Klimawandels immer stärker zu spüren bekommen.
00:12:57: Und wenn
00:12:58: wir
00:12:58: möchten, dass die möglichst wenig werden – also es ist nicht mehr vermeidbar,
00:13:02: dass wer sie
00:13:03: spürt bzw.
00:13:04: Sie sehen sie auch
00:13:04: jetzt schon -, dann hilft das natürlich, Treibhausemissionen so stark wie möglich zu
00:13:10: reduzieren.".
00:13:14: Dann hängt es aber von uns ab.
00:13:15: Also wenn wir eigentlich als Menschheit vernünftig werden, wann wir gegensteuern haben wir genug Intellekt um andere Technologien zu entwickeln und Kohlenstoff wieder aus der Atmosphäre rauszunehmen.
00:13:25: also das hängt eigentlich von uns auf was passieren wird
00:13:28: Denn die Amok muss sich nicht abschwächen.
00:13:31: Das hängt ganz von uns Menschen ab ob wir so weitermachen wie bisher oder ob wir unseren Lebensstil überdenken Und nachhaltig verändern können.
00:13:42: Ja, hoffentlich bekommen wir das in den Griff würde ich sagen.
00:13:45: Danke Mara und Philipp!
00:13:47: Gerne!
00:13:59: Wohnen – Das klingt für viele nach etwas Selbstverständlichem Ein Ort an dem man zurückkommt Eine Tür die man hinter sich zu machen kann.
00:14:08: Aber für viele Menschen in Deutschland ist genau das nicht selbstverständlich.
00:14:12: Laut den aktuellen Hochrechnungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe kurz BAGW waren im Jahr ist es in Deutschland über eine Million Menschen wohnungslos.
00:14:25: Trotz dieser großen Zahl taucht das Thema in der Berichterstattung vergleichsweise selten auf.
00:14:31: Im Ranking der Top Ten vergessenen Nachrichten hat es das Thema auf Platz vier geschafft.
00:14:36: Die Liste wird jedes Jahr als gemeinsames Projekt der Initiative Vergessene Nachrichten und des Deutschlandfunks veröffentlicht.
00:14:44: Auf ihr stehen alle Themen, die im vergangenen Jahr in der Berichterstattung der großen Leitmedien eher untergegangen sind.
00:14:51: Meine Kollegin Teresa hat das Thema Obdachlosigkeit in deutschen Städten genauer unter den Lupe genommen.
00:14:56: Sie ist jetzt hier bei mir im Studio.
00:14:58: Hallo Theresa Warum hast du denn ausgerechnet dieses Thema vorgenommen?
00:15:02: Hallo Lena Ich hatte das Gefühl München wirkt nach außen oft wie eine perfekte Wohlfühlstadt hohe Lebensqualität volle Cafés und schöne Altbauwohnungen.
00:15:11: Gleichzeitig gibt es aber auch Menschen, die keinen festen Schlafplatz haben.
00:15:16: Deshalb wollte ich wissen wie Wohnungslosigkeit in einer Stadt wie München eigentlich genau aussieht.
00:15:23: Bevor wir tiefer ins Thema einsteigen ist es wichtig zu verstehen was genau man unter Wohnungslosigkeit eigentlich versteht.
00:15:30: Oft werden Wohnungs- und Obdachlosigkeiten nämlich verwechselt.
00:15:33: für die Statistik und Hilfsangebote ist das aber einen sehr wichtiger Unterschied.
00:15:38: wenn wir von Wohnungslusigkeit sprechen Was genau meint das eigentlich?
00:15:43: Also laut dem Wohnungslosen-Berichterstattungsgesetz ist man wohnungslos, wenn man keinen eigenen Mietvertrag hat.
00:15:50: Aber nicht jeder wohnlungsloser Mensch ist auch obdachlos!
00:15:54: Wohnungsloße Menschen leben zum Beispiel in Notunterkünften, Pensionen oder bei Bekannten – sie haben also einen Schlafplatz mit einem Dach über den Kopf.
00:16:02: Okay, wohnungslos heißt also nicht dass man direkt auf der Straße lebt.
00:16:07: Ab wann zählt man dann als
00:16:08: obdochlos?!
00:16:10: Genau, von Obdachlosigkeit spricht man sobald man keinen festen Schlafplatz mehr hat.
00:16:15: Also wirklich auf der Straße schläft!
00:16:17: In dieser Folge geht es aber um die Wohnungslosigkeit... ...die nicht immer gleich aussieht.
00:16:23: Okay… Es herrscht also nicht nur Verwechslungsgefahr bei Obdacht und Wohnungslosigkeit – auch die Wunschlosigkeit an sich lässt sich nicht verallgemeinern.
00:16:32: Aber was genau muss man denn da achten?
00:16:34: Manche Menschen gelten als wohnungslos obwohl sie ein Dach über dem Kopf haben.
00:16:39: Sie werden ohne eigenen Mietvertrag in Wohnraum eingewiesen oder leben in Notunterkünften.
00:16:44: Dazu gehören auch anerkannte Asylbewerberinnen, denen Gemeinschaftsunterkünfte wohnen.
00:16:49: Andere sind zwar nicht auf der Straße aber auch nicht wirklich in den eigenen vier Wänden – sie kommen vorübergehend bei Freundinnen und Verwandten unter oft von Woche zu Woche ohne Planungssicherheit.
00:17:00: Man spricht hier von verdeckter Wohnungslosigkeit!
00:17:04: Und dann gibt es diejenigen, die gar keine Unterkunft haben.
00:17:07: Sie leben dauerhaft auf der Straße und sind obdachlos.
00:17:11: Alles klar, danke dir Theresa dass du mit mir diese wichtigen Unterschiede herausgearbeitet hast.
00:17:16: Wohnungslosigkeit lässt sich also oft gar keinen Fall pauschalisieren.
00:17:20: aber was genau bedeutet es eigentlich wohnungslos zu sein?
00:17:23: Und was tut die Stadt dagegen?
00:17:25: Um genau diese Fragen soll es jetzt gehen!
00:17:28: In ganz Deutschland wurden im Jahr Im Vergleich zum letzten Bericht aus dem Jahr es die Zahl um elf Prozent gestiegen.
00:17:41: Knapp sechzigtausend Menschen haben ganz ohne Unterkunft auf der Straße gelebt.
00:17:47: Gründe für die gestiegene Wohnungslosigkeit sieht die BAGW vor allem im Mangel an bezahlbaren Wohnraum sowie die allgemein zunehmende Armut.
00:17:56: Der vorhandene Wohnungbestand könne die stetig steigenden Nachfrage nicht decken führt den deutlichen Anstieg vor allem auf den Krieg in der Ukraine zurück.
00:18:07: Denn Menschen aus der Ukraine, die in Deutschland in Asylunterkünften leben werden in der wohnungslosen Statistik mitgezählt.
00:18:15: Sechzigtausend Betroffene – das klingt für mich schon nach einer ziemlich großen Zahl!
00:18:20: Obdach und Wohnungslosigkeit sind also bundesweit ein Problem?
00:18:24: Aber wie sieht die Lage denn jetzt eigentlich bei uns in München aus?
00:18:28: In München leben aktuell rund elf tausend wohnungslose Menschen.
00:18:32: Die meisten von ihnen sind zwar untergebracht, aber sie haben keine eigene Wohnung.
00:18:37: Im Bericht vor vier Jahren waren es noch etwa zwanzig Prozent weniger.
00:18:42: Wie auf Bundesebene wird diese Entwicklung vor allem auf zwei Faktoren zurückgeführt – zum einen auf die große Zahl ukrainischer Geflüchteter, die seit Jahrzehntzwanzig nach München gekommen sind und zum anderen darauf, dass nach dem Ende vieler Corona-Maßnahmen wieder mehr Einrichtungen regulär arbeiten konnten.
00:19:00: Somit konnten sie seit Jahren wieder vollständige und verlässliche Zahlen liefern, die die Statistik insgesamt nach oben treiben.
00:19:07: Und damit kommen wir zu einer wichtigen Unterscheidung.
00:19:11: Wohnungslosigkeit bedeutet nicht automatisch dass Menschen auf der Straße leben.
00:19:16: wie viele Menschen in München tatsächlich obdachlos sind also draußen schlafen haben wir beim Sozialreferat nachgefragt.
00:19:23: Das Sozialreferat hat unsere Fragen via Mail beantwortet.
00:19:42: Eine Zahl, die unterschiedlich eingeordnet werden kann.
00:19:45: Für manche erscheint sie vergleichsweise gering?
00:19:47: Und auch im Bereich der Wohnungslosigkeit hat München laut dem Statistischen Bundesamt, im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten die niedrigste wohnungslosen Quote pro hunderttausend Einwohnerinnen.
00:20:01: Also der Anteil wohnungsloser bezogen auf die Einwohnerzahl.
00:20:05: Gleichzeitig liegt die absolute Zahl der Betroffenen aber deutlich höher als in Städten wie Leipzig Dortmund oder Essen.
00:20:13: Wohnungslosigkeit ist also kein spezifisches Münchner Problem.
00:20:17: Trotzdem ist die bayerische Landeshauptstadt vor allem für eines bekannt.
00:20:20: Die Stadt ist extrem teuer!
00:20:23: Der Münchner Mietspiegel gehört zu den höchsten in Deutschland.
00:20:27: Selbst einfache Wohnungen liegen oft weit über dem, was Menschen mit geringem Einkommen stemmen können.
00:20:33: Zusätzlich fallen hohe Nebenkosten für Strom, Lebensmittel oder den öffentlichen Nahverkehr an.
00:20:40: Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft lagen die Münchener Wohn- und Lebenshaltungskosten im Jahr Dreiundzwanzig Prozent über den Bundesdurchschnitt.
00:20:50: Wohnen ist hier sogar doppelt so teuer wie im Rest des Landes.
00:20:55: Für viele bedeutet das, ein Jobverlust eine Trennung oder Miet- und Energieschulden können reichen um die Wohnung zu verlieren.
00:21:03: Und obwohl die Stadt jährlich zweitausend neue geförderte Wohnungen plant reicht es nicht aus um die Wohnungsnot zu bekämpfen.
00:21:10: Gleichzeitig bleibt München eine der beliebtesten Städte für junge Menschen wegen der Unis, der Jobs und der Lebensqualität.
00:21:17: Doch genau Sie bekommen die hohen Kosten oft besonders stark zu spüren.
00:21:22: Darüber haben wir auch mit Monika Schmidt-Baltzart gesprochen, sie ist stellvertretende Geschäftsführerin des Mietervereins München.
00:21:30: Also München ist ja seit jeher ein angespannter Wohnungsmarkt.
00:21:33: das heißt Wohnraum ist insgesamt knapp und der Wohnraum der zur Verfügung steht es sehr teuer und schwer zu finden und auf zu bezahlen.
00:21:42: Und das macht es natürlich auch gerade für junge Menschen, die für die Ausbildung oder zum Studieren nach München kommen extrem schwierig passenden und vor allem bezahlbaren Wohnraum zu finden.
00:21:53: Wenn bezahlbarer Wohnraum knapp wird suchen sich viele junge Menschen erst mal Übergangslösungen.
00:21:59: Genau da beginnt ein Bereich der oft unsichtbar bleibt.
00:22:02: Ja also oft ist es bei jungen Menschen ja so eine kaschierte Wohnungslosigkeit durch Couchsurfing oder sowas.
00:22:07: Die versuchen natürlich wenn sie nach Münche kommen erstmal irgendwo in Dachbanken Kopf zu bekommen.
00:22:12: Wenn das eben nicht bezahlbar ist oder nichts zu bekommen, dann gibt es halt dieses
00:22:17: Couchsurfing.".
00:22:18: Der Begriff Couch-Surfing kommt eigentlich aus der Reisecommunity.
00:22:22: Über eine Plattform können Reisende kostenlos bei Privatpersonen übernachten um Geld zu sparen und Menschen kennenzulernen.
00:22:29: Im Kontext von Wohnungslosigkeit meint Couch Surfing aber etwas anderes.
00:22:34: Viele Menschen, die keine eigene Wohnung haben schlafen nicht auf der Straße sondern wechseln zwischen verschiedenen Schlafplätzen bei Freundinnen Bekannten oder Verwandten hin und her.
00:22:44: Diese Form der Wohnungslosigkeit ist im Stadtbild kaum sichtbar und statistisch schon schwer zu erfassen.
00:22:51: So konnte uns auch das Sozialreferat kein Antwort auf die Altersstruktur der Wohnungslosen in München geben.
00:22:57: Eine Zahl zur Alters-Struktur innerhalb der Gruppe von Erwachsenen in der akuten Wohnungslosigkeit wird nicht erhoben.
00:23:03: Doch gerade junge Menschen sind für diese Art der Wohnungslosigkeit anfällig, wie uns Frau Schmidt-Baltzert vom Mieterverein erklärt.
00:23:10: Also junge Menschen die halt grad frisch in die Stadt kommen, sind von Wohnungslosigkeit besonders bedroht weil sie sich den Wohnraum hier ja nicht leisten können aber auch noch nicht das Netzwerk haben um da irgendwie... gut unterzukommen.
00:23:22: und gerade für junge Leute, die eben keine großen Rücklagen haben und keine großen Einnahmen.
00:23:28: Es ist extrem schwierig bezahlbaren Wohnraum zu
00:23:30: finden.".
00:23:31: Viele
00:23:31: junge Menschen rutschen also nicht aus eigener Schuld in die Wohnungslosigkeit sondern weil ihnen schlicht die Ressourcen fehlen.
00:23:38: Damit sie in München trotzdem eine Chance haben gibt es ein Netzwerk an Einrichtungen, die genau hier ansetzen von Street Work über Notunterkünfte bis hin zur Beratungsstellen.
00:23:48: Hier helfen Ehrenamtliche nicht nur bei der Wohnungssuche, sondern auch in akuten Notsituationen.
00:23:55: Dazu gehören zum Beispiel die T-Stu bekommen – die Bahnhofsmission, die Münchner Tafel oder die wohnungslosen Hilfe der Caritas.
00:24:03: Doch diese Hilfsangebote bekämpfen hauptsächlich die Symptome können das Problem aber allein nicht lösen und Wohnungslosigkeit langfristig zu bekämpfen braucht es strukturelle Veränderungen.
00:24:15: Darin sieht Frau Schmidt-Balsert eine große Herausforderung.
00:24:19: Wir müssen dringend verhindern, dass einfach ein bestimmter Bevölkerungsanteil an den Rand der Stadt oder außerhalb der Stadt gedrängt wird.
00:24:26: Meine Stadt lebt ja von der Mischung und darf nicht gentrifiziert werden.
00:24:32: Wir müssten einfach gucken als Stadt-, als Gemeinschaft, ans Staat, das jeder wohnen kann – und zwar bezahlbar!
00:24:40: Es geht also nicht nur um die Hilfe in akuten Notsituationen, sondern um die Frage wie München in Zukunft aussehen soll.
00:24:47: Wer darf hier leben und wer kann es sich überhaupt noch leisten?
00:24:51: Genau an diesem Punkt entscheidet sich ob eine Stadt sozial bleibt oder Menschen an den Rand gedrängt werden.
00:24:57: Wohnungslosigkeit ist also kein Randthema!
00:25:00: Es betrifft Menschen – Hier mitten in München.
00:25:03: Menschen, die oft unsichtbar bleiben obwohl sie jeden Tag an denselben Orten vorbeilaufen wie wir Vielleicht die Sitznachbarin in der Uni oder der Mann, der stundenlang im Café sitzt.
00:25:14: Wenn ihr selbst Unterstützung braucht oder jemanden kennt, der Hilfe sucht, scheut euch nicht diese Angebote zu nutzen – oder weiterzugeben!
00:25:21: Die Kontaktdaten haben wir euch noch einmal in der Beschreibung dieser Folge notiert.
00:25:29: Die Themen, die wir heute unter die Lupe genommen haben, decken natürlich nicht die ganze Bandbreite der vergessenen Nachrichten ab.
00:25:36: Das hier ist die zweite von zwei Folgen.
00:25:38: Wenn ihr noch mehr über Nachrichten wissen wollt, die zu kurz kamen, hört doch unsere letzte Fußnotenfolge an.
00:25:47: Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann abonniert uns gerne und bewertet diesen Podcast!
00:25:52: Alle weitere Details zur Folge findet ihr auch in den Show-Notes.
00:25:56: Bis zum nächsten Mal!
00:25:59: Für Recherche und
00:26:00: Interviews waren
00:26:01: in dieser
00:26:01: Folge Theresa Östhöfer Marra Germano Fülle von Brauden und Lena Rajewski zuständig.
00:26:07: Schnitt, Postproduktion und Sendeleitung Sarah Erhardt und Mona Wölpert Und moderiert habe ich Lena Rijewski.