Was diese Woche zu kurz kam
00:00:03: Weitblick für Unterschleißheim, eine Stadt für alle.
00:00:05: Für mehr Grünstadtgrau damit wir die Natur in unserer
00:00:07: Stadt erhalten und ausbauen.
00:00:09: Es ist so weit.
00:00:10: morgen sind Kommunalwahlen in Bayern.
00:00:12: Ich habe als Bürgermeisterkandidat hier in Unterscheißheim So vieles erlebt in den letzten Wochen
00:00:17: und Monaten.
00:00:19: In Bayern hat sich politisch einiges
00:00:21: getan.
00:00:22: Seit den Kommunal-Wahlen am achten März twenty-sechsundzwanzig übernehmen neue Bürgermesserinnen und Gemeineräte ihre Ämter
00:00:29: Fußnoten Der politische Nachrichten-Podcast von M. fourneunzigfünf, was diese Woche
00:00:36: zu kurz kamen.
00:00:39: So auch in Unterschleißheim wo die Bürgerinnen über die Zukunft ihrer Stadt entschieden haben.
00:00:44: Einer der Kandidaten dort war Bernhard Schüßler vom Grünen.
00:00:47: Er gehört zu einer jüngeren Generation von Kommunalpolitikern und möchte mit neuen Ideen die Zukunft der Gemeinde mitgestalten.
00:00:54: Doch wie kommt man als junger Mensch überhaupt dazu sich politisch arrangieren?
00:00:58: Welche Erfahrungen macht man in einem Gemeinderat, in dem viele Mitglieder deutlich älter sind?
00:01:04: Und wie wird man als junger Politiker und auch als ebehinderte Person der Kommunalpolitik wahrgenommen.
00:01:10: Im Interview wird auch über Wahlkampf an einer Gemeinde über die Rolle von Social Media, über Politikverdrossenheit bei jungen Menschen und darüber welche Herausforderungen kommunalpolitikerinnen heute erleben gesprochen.
00:01:24: Benjamin und Theresa haben Herr Schüßler zum Gespräch getroffen.
00:01:32: Ja, ich bin Bernhard.
00:01:33: Ich bin sechsundzwanzig Jahre alt und wohne seit zwölf Jahren in Unterschleißheim.
00:01:40: Ich war ja in Würzburg geboren und vor allem in Brasilien aufgewachsen.
00:01:45: Und habe eine Seebehinderung.
00:01:47: also ich bin fast blind und bin seit jetzt knapp vier jahren Stadtrat hier in Unterscheißheim.
00:01:55: Richtig cool!
00:01:56: Also wenn man da vielleicht ein bisschen mehr auch auf den akadäbischen Hintergrund oder ich meine bei Corona-Politik ist ja auch so, dass der Person noch einen Beruf ausüben.
00:02:05: Wie sieht es da bei dir aus?
00:02:08: Ich habe Politikwissenschaften und VWL studiert.
00:02:11: Dann hab' ich mit Journalismus angefangen während Corona konnte nicht fertig werden weil ich dann meinen Master angefangen habe in Politikwissenschaften und mittlerweile habe ich dennoch abgeschlossen.
00:02:21: letztes Jahr habe Ein paar Monate im Bundestag gearbeitet und dann habe ich in Bonn gearbeitet bei der Entwicklungszusammarbeit, also bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.
00:02:32: Und jetzt bin ich seit zwei Monaten voll hier im Kommunalwahlkampf
00:02:36: gewesen.".
00:02:37: Ja richtig cool!
00:02:38: Und vielleicht auch einfach nochmal auf das Politikthema zu sprechen zu kommen, weil es sich schon länger beschäftigen würde, aber wie genau bist du jetzt auf die Politik gekommen?
00:02:51: Das wollte ich irgendwie schon immer... Also seit ich denken kann, habe ich gerne diskutiert und mich für so Sachen interessierte in den Nachrichten sind.
00:02:59: Und ich glaube der Anfang wo ich gesagt hab, ich will aktiv werden aber nicht nur so aktivistisch sondern auch verstehen und deswegen Politikwissenschaften war als ich noch in Brasilien gelebt habe und so zwölf oder dreizehn Jahre alt war.
00:03:13: da hatten wir in Sao Paulo öfters Dürren weil kein Regen aus der Amazonas Region gekommen ist Und ich habe dann über die Nachrichten immer so geschaut, hey!
00:03:25: Das liegt an den Entwaldungen.
00:03:27: An diesen Brandrodungen, die super krass waren in diesen Jahren.
00:03:30: und diese Ungerechtigkeit will ich irgendwie bekämpfen.
00:03:34: Ich hab irgendwie auch gemerkt muss ich ehrlich sagen auf dem Weg zur Schule zum Beispiel In den armen Vierteln gab es überhaupt kein Wasser oder nur sehr Dreckiges und meine Mitschüler aus der deutschsprachigen Schule die oft sehr wohlhabend waren.
00:03:48: Die haben gar nichts davon mitbekommen, dass Wasser fehlt.
00:03:51: Die hatten so private Puls in ihren Gärten und haben das auch mit Trinkwasser aufgefüllt.
00:03:55: Sie haben nichts gemerkt.
00:03:56: Und wenn ich mit denen darüber geredet hab, waren sie total überrascht.
00:04:00: Bei mir war es so ... Wir waren in einem Viertel in Sao Paulo, dass so Mittelschichtviertel ist.
00:04:06: Wir hatten zweimal die Tage, konnten wir unsere Wasservorräte fürs Haus irgendwie auffüllen... Mit Leitung!
00:04:14: Und sonst mussten wir aus diesen Vorreden leben.
00:04:17: Ich hab halt diese Kombi irgendwie, Aus-Umweltserstörung und sozialer Ungerechtigkeit hat mich total interessiert einerseits für Umweltthemen aber eben auch für so politische Zusammenhänge.
00:04:29: Und genau ich glaub seitdem ticke ich vollpolitisch die ganze Zeit.
00:04:34: Ja also es klingt jetzt auch so dass dich das einfach immer so begleitet hatten weil du einfach mal beide Seiten gesehen hast, dass irgendwie da auch... Du, dass Interesse draußen standen ist.
00:04:45: Ja wie es denn sein kann das was so Parallelwelten vielleicht gibt und ich glaube das Thema ist ja auch voll präsent und es ist sehr viel Leute interessiert.
00:04:51: aber vielen vor allem auch jungen Leuten fällt es dann eben schwer auch wirklich in die Politik einzutreten weil sie da irgendwie sehr viel Respekt vor haben oder denken okay ja das was wir wachsen.
00:05:00: Was hatte ich denn dann dazu getrieben so konkret dich auch wirklich zu engagieren oder sich zu organisieren?
00:05:06: Also ich bin jetzt seit ziemlich genau zehn Jahren in meiner Partei aktiv hier in der Stadt und eben auch kommunalpolitisch.
00:05:14: Und mir ging es ganz genauso, deswegen immer wenn ich so was höre von jungen Menschen die sagen hey da muss man doch viel wissen und viel Lebenserfahrung haben versuche ich den auch klar zu machen dass das nicht so ist.
00:05:25: weil ich bin also mit vierzehn hierher gezogen und wollte damals eigentlich schon politisch aktiv werden hab's mich aber nicht getraut weil ich dachte ich weiß zu wenig Ich komme aus einem anderen Land, ich kenne mich nicht aus.
00:05:37: Ich bin jung und habe eine Behinderung.
00:05:39: Das sind alles so Dinge, die mein Selbstbewusstsein sehr gedrückt haben.
00:05:43: Und ich hab dann wirklich jeden Tag drei Stunden Nachrichten konsumiert, also wirklich Zeitung gelesen, Radio gehört um mir so eine Art Wissensstamm anzusammeln.
00:05:53: Dann bin ich als ich sechzehn wurde hier aufgetaucht bei einer Sitzung und habe gesagt hey ich will aktiv werden, ich will Mitglied werden die ich mir zwei Jahre so angeeignet habe aus den Nachrichten.
00:06:07: Die sind überhaupt nicht die Themen, die hier kommunalpolitisch aktiv oder relevant sind, weil in den Nachrichten kommen ja eben deutschlandweite, bayernweite oder weltweite Sachen und nicht Themen wie Straßenausbaubeitragssatzung oder Stellplatzverordnung.
00:06:22: Das heißt, ich musste mehr oder weniger von null anfangen und hab gemerkt es ist irgendwie kein Problem, weil die älteren Leute haben oft nicht mehr Ahnung als ich.
00:06:32: Die glauben einfach, dass sie mehr Ahnung haben.
00:06:34: Und mittlerweile ... Was heißt mittlerweile?
00:06:37: Relativ schnell haben meine Kollegen hier auch gesagt, Bernhard du bist das Lexikon und es ist so ein Running Gag, dass die Leute immer bei mir was fragen wenn irgendeine Frage offen ist weil ich mir halt de facto einen guten Merken kann.
00:06:51: Richtig cool!
00:06:53: Wenn man da vielleicht auf die Zugegenlichkeit zu sprechen kommt also ... Du hast jetzt gemeint, du wirst aufgetaucht und da hast du jetzt mal angeschaut.
00:06:59: aber Wenn ich so eine Kommunalpolitik denke auch, dann ist es irgendwie... So als gäbe es so ein Glass-Sealing.
00:07:07: Also vielleicht gibt's das auch aus dem Englischen, dass ja einfach so, dass es einen unsichtbare Barriere gibt da einzutreten weil es einfach nicht vermittelt wird.
00:07:17: Ja ihr könnt euch junge Leute auch irgendwie engagieren aber wie würdest du jedem wünschen?
00:07:25: Wie wäre es denn für dich rückwirkend schön gewesen einen Zugang bereitgestellt zu bekommen.
00:07:33: Boah ja, also ich kann das schon bestätigen... Ich glaube es gilt für die gesamte Politik eigentlich dass es nicht so leicht ist reinzukommen.
00:07:40: auf lokaler Ebene hängt's halt sehr von den Leuten ab!
00:07:43: Ich hatte Glück dass ich sehr aufgeschlossene Menschen hatte die mich auch ein bisschen ge-onboardet haben sag' ich jetzt einfach mal.
00:07:51: und ich glaub solche Strukturen müsste man eigentlich stärken.
00:07:55: wir haben hier in der Stadt zum Beispiel einen Jugendbeirat wo ich sehr stolz drauf bin.
00:08:02: Und wir haben auch einen Jugendparlament, das es schon ganz lange gibt seit siebenundzwanzig Jahren ja ungefähr und da sind so Gremien die ein bisschen jugend präsent machen und halt für Interessierte in der Stadt auch so'n bisschen Plattform bieten um reinzuschnuppern in Kommunalpolitik und die müssten eigentlich viel besser eingebunden werden damit die wirklich Ja checken was Was Kommunalpolitik bedeutet und damit sie ihn wirklich mitgestalten können, das sind so Dinge die ich gerne auch ändern würde.
00:08:32: Zurzeit ist es noch nicht eine gute Einbindung dieser Jugendgremien mit der Stadtpolitik passiert und ich glaube dass hilft.
00:08:43: also wir haben viele junge Menschen die schon Interesse haben.
00:08:47: oft ist ein Thema hier vor Ort oder ein weltpolitisches Thema dass sie so aktiviert und politisiert Und dann möchten sie halt damit auch was umsetzen.
00:08:57: Also dieses Thema Selbstwirksamkeit.
00:09:00: und wenn du irgendwo auftaust und merkst, hey mir wird zugehört und das fällt dann nicht unter den Tisch sondern es bleibt aktiv und ich kann da auch etwas umsetzten sei es was Kleines dass ich glaube das motiviert total und dann zieht man vielleicht auch sein Umfeld ein bisschen mit so und hat eine Art Multiplicator Effekt.
00:09:21: Total also was ich da auch raushör, dass einfach zurzeit noch strukturell wenig anbedeumt von jüngeren Leuten gibt.
00:09:28: Und das eben so ein Initiativen wie einen Jugendbeirat, wo mir vorstellen kann, dass der das ja schon irgendwie verbreitet ist aber vielleicht nicht so eingebunden, dass es dann eben helfen kann?
00:09:37: Auf jeden Fall und es hilft natürlich auch so'n bisschen Vorbilder zu haben also so Sichtbarkeit von jungen Menschen in der Politik.
00:09:45: Ich krieg dann oft auch Rückmeldungen über Instagram oder so Von jungen Leuten hier die sagen hey voll cool, dass du das machst.
00:09:54: Ich dachte im Stadtrat sitzen nur Rentner so ungefähr und ehrlich gesagt die Mehrheit sind auch Rentner.
00:10:00: also es ist wirklich so wie Stadtrat ist ja in den allermeisten Städten wirklich Ehrenamt und wir nennen uns dann Feierabendpolitiker weil tagsüber müssen wir halt arbeiten und abends haben wir die Sitzung.
00:10:13: und dementsprechend wenn du Kinder hast eine Familie wenn du Vollzeit arbeiten musst ist es unfassbar schwer, dir die hunderten Seiten von Unterlagen durchzulesen und dann den ganzen Abend noch in der Sitzung zu sein.
00:10:24: Und deswegen ist es wirklich so dass die allermeisten Leute halt schon wieder Rentner sind.
00:10:29: Dann gibt's ja wirklich eine Art Generationenwoche.
00:10:31: also ich habe zum Beispiel auch gelesen du bist der jüngste Stadtrat auch von den Grünen zumindest?
00:10:37: Ja und im gesamten Stadtrat aktuell noch bin ich der Jüngste.
00:10:42: Also wenn man sich da auf die Sozialkreise antwortet dann sind von deinen Arbeitskollegen jetzt mal Die sind dann wirklich größtenteils aus Schichten, die etwas älter sind.
00:10:54: Was wohl haben wir dir doch einfach Zeit haben sich dafür zu engagieren?
00:10:58: Genau!
00:11:00: Würdest du dann auch sagen dass eben dieser Generationen Unterschied oder vielleicht auch weil du mehr Zugang hast auch zu jüngeren Leuten das du da einfach andere Themen ansprichst und diese Kommunikation mit diesen anderen Personen schwerer fällt?
00:11:14: also ich versuche andere Themen anzusprechen halt explizit auch die, die jungen Menschen wichtig sind.
00:11:20: Zum Beispiel habe ich das jetzt im Wahlkampf ganz stark gemerkt.
00:11:23: Ich hab wirklich einen Schwerpunkt auf so bezahlbaren Wohnraum gelegt weil sehr viele Leute in meinen Schuljahrgang zum Beispiel aus Unterschleißern wegziehen mussten, weil sie nichts mehr gefunden haben als sie aus dem Elternhaus rausziehen musten wollten.
00:11:37: und als sich das schon mehrere Male im Stadtrat angesprochen hat wurde das von manchen Leuten auch wirklich total abgetan und gesagt Hey, wieso denn?
00:11:45: Wir haben kein Kostenproblem und es können sich doch die Leute... ...die Reihenhäuser leisten, die wir jetzt bauen so ungefähr.
00:11:51: Und das ist halt vollkommen weltfremd für die allermeisten Menschen, die hier leben.
00:11:57: Ja auf jeden Fall!
00:11:58: Ist dann auch so wenn du da eben über diese Themen sprichst und du bist ja auch jung und ich glaube auch als segeländer Person wie ist es daneben bis du dann von den anderen auch ernst genommen?
00:12:09: dann, wenn's da geht also dass ihr gemeintet ihr wisst ein bisschen zu belächelt.
00:12:13: Ich weiß ehrlich gesagt Kann ich mir schon vorstellen, dass ein paar mich immer noch nicht ernst nehmen?
00:12:18: Aber... Ich glaube nach ein paar Jahren im Stadtrat und wo du so'n paar Ausrufezeichen setzen kannst mit Anträgen oder Wortbeiträgen.
00:12:27: Da kannst du dir schon bisschen Respekt ja erarbeiten sag ich jetzt mal.
00:12:31: aber es stimmt schon das ist ein bisschen schwieriger ist wenn man Jung ist vielleicht auch das Thema Seebehinderung, dass viele glauben hat der kann ja gar nicht mitreden weil wir haben hier eine Vorlage über ein Verkehrskonzept.
00:12:41: Das sieht er ja gar nie so ungefähr und ich habe natürlich meine Wege um damit zurechtzukommen.
00:12:47: aber ganz ehrlich muss man auch sagen, dass solche Abwertungsgeschichten passieren halt auch mit anderen.
00:12:55: also jüngere Frauen zum Beispiel im Stadtrat werden öfters mal wenn sie sagen hey es ist spät manche von uns haben Familien und Jobs könnt ihr euch nicht kürzer fassen, liebe meistens Herren.
00:13:07: Dass dann echt oft so ein Backlash kommt von wegen hey wenn du es nicht kannst dann mach ich mit, so ungefähr, dann tritt aus.
00:13:15: und das sind total toxische Muster die glaube ich für sehr viele Gruppen gelten, die nicht so für das Stehen was Kommunalpolitik vielleicht so im Stereotypen Sinne irgendwie ist wo man sich vorstellt, das ist ein älterer Herr mit konservativen Ansichten und relativ viel Geld.
00:13:34: Wo vielleicht die Frau zu Hause ist und auf die Kinder aufpasst.
00:13:37: Und unsere Gesellschaft ist halt viel fielfältiger und deswegen glaube ich können manche noch nicht damit umgehen dass eben auch solche Leute dann im Stadtrat sitzen.
00:13:46: Also ich habe mir dann oft gedacht, dass Stadtrat oder Kommunalpolitik einfach mit Zusammenarbeit tun hat und dass man sich da zumindest erhoffen würde Ja, der ist einfach ein bisschen empathischer abläufen würde.
00:14:04: Aber ja um jetzt vielleicht auch nochmal auf dich konkret zurückzukommen und wie du jetzt auch zum Startrad geworden bist.
00:14:11: also wie läuft denn sowas ab?
00:14:14: Also ich habe mich natürlich sehr engagiert bei mir und in meiner Partei und dann zwanzig-zwanzig war ein Kommunalwahlen da hab' ich mich aufstellen lassen.
00:14:26: wurde hat dann auch einen ganz guten Listenplatz bekommen.
00:14:29: Das ist ja relativ wichtig und bei der Wahl kann man ja kumulieren oder panischieren, das heißt die Liste verändert sich noch die Reihenfolge und ein paar ältere, bekanntere Leute, die schon im Stadtrat waren, waren hinter mir.
00:14:41: Die haben mich dann überholt.
00:14:42: aber ich habe mich ganz gut gehalten und so bin ich dann erster Nachrücker geworden Und zwei Jahre später ist eben eine der Stadträte ausgetreten Aus beruflichen Gründen und dann konnte ich nachrücken Hab mir das so ein bisschen wirklich so schrittweise angeeignet, wie funktioniert eine Arbeit im Ausschuss und soweit und sofort.
00:15:03: Und jetzt vor kurzem waren ja wieder Kommunalwahlen... ...und jetzt war ich Bürgermeisterkandidat und dadurch habe ich natürlich viel mehr Sichtbarkeit.. ..und hab auch natürlich einen Superlistenplatz gehabt und viele persönliche Stimmen.
00:15:17: Und dementsprechend bin ich jetzt auch wieder gewählt worden!
00:15:20: Ja aber wenn da vielleicht auch mehr reden willst als Bürgemeisterkandidat.
00:15:25: Also so wie es sich jetzt auch handelt, ist auch einfach sehr viel mit den Beziehungen innerhalb der Partei zu tun und eben das man neue Impulse bringt.
00:15:32: Erzähl da gerne mal mehr darüber, wie es dazu gekommen ist!
00:15:37: Es ist wirklich so... Wenn man sich engagiert und neue Ideen hat fällt das normalerweise auf in der Partie.
00:15:45: Und die Leute wollen ja Menschen haben einerseits die Programme der Parteien, die Punkte, die einem wichtig sind gut voranbringen oder die halt auch Stimmen sammeln weil sie bekannt sind.
00:15:57: Und das ist auch so ein bisschen ein Thema wie so ältere Menschen zum Beispiel öfters bei den Listen nach vorne gehen, weil die einfach durch die Erfahrung und die Präsenz in den Städten und Orten einfach bekannter sind oft.
00:16:09: Das heißt ich habe halt viele inhaltliche Impulse gemacht.
00:16:13: da hat natürlich auch geholfen dass sich eben Politikwissenschaften so studiert hab mich ziemlich für so spannende Details interessiert, gerade im Klimabereich aber auch im sozialen Bereich.
00:16:25: Und ja dann war das mehr oder weniger so.
00:16:28: Jede Partei macht einige Monate ein Jahr eineinhalb Jahre vor der Wahl so ne Klausur und bespricht sich hey wir wollen wir uns aufstellen wie wollen wir unsere Liste haben?
00:16:39: Im Sinne von wie viele junge wie viele alte welche Themen Schwerpunkte sollen da abgedeckt werden?
00:16:45: und wer kann sich vorstellen ob wir einen Bürgermeisterkandidaten haben?
00:16:50: und wenn ja wäre.
00:16:52: Und da wurde ich recht schnell vorgeschlagen, dann habe ich mir das auch überlegt und gesagt hey!
00:16:57: Ich bin zwar jung aber ich hätte schon Bock diese Erfahrung zu machen und hab ein paar Ideen die ich hier verändern will.
00:17:05: und dann ist es mehr oder weniger so gelaufen dass ja wir intern das mehr oder wenige schon beschlossen hatten.
00:17:13: Dann gab's eine öffentliche Nominierung.
00:17:17: Das ist meistens so wie die Partei, also Vorstand und Fraktionen sprechen sich eben.
00:17:23: Die wählen mich dann auch, die sprechen sich für mich aus.
00:17:26: aber das ist noch nicht die offizielle Aufstellungsversammlung.
00:17:28: Die offizielle Aufstellung ist der juristische Akt.
00:17:31: da musst du ganz viele Unterlagen unterschreiben ins Rathaus bringen.
00:17:36: Und das war es im Herbst normalerweise jetzt vor einem knappen halben Jahr.
00:17:42: Dann ist eigentlich schon voll Wahlkampf!
00:17:44: Es geht alles sehr schnell und es ist sehr dynamisch, muss ich ehrlich sagen.
00:17:47: Auch wenn's sehr lange vor Laufzeiten beinhaltet.
00:17:51: man muss eigentlich ständig aktiv sein.
00:17:54: Du hast jetzt auch gemeint dass du ja auch irgendwas verändern willst da dir auch eine eigene Plattform aufbaust?
00:18:00: Wie isst dann aber auch wenn du zum Beispiel anders denkst als Leute in deiner Partei?
00:18:05: Ist dann einfach so ne Verhandlung da einfach neue Sachen reinzubringen und quasi das mehr auch auf dich anzupassen?
00:18:12: Man diskutiert natürlich immer.
00:18:14: Also gerade so was finde ich ja gut, wenn man wirklich lebendig diskutiert und vielstimmig ist.
00:18:20: Manche machen es ja voll top down.
00:18:23: So der Ortsvorsitzende hat gesprochen und dann müssen alle mit.
00:18:27: Sowas macht halt kein Spaß und ich glaube das da kommen auch nicht die besten Ergebnisse bei rum.
00:18:32: Und normalerweise ist es so, wenn wir in der Fraktion etwas vor besprechen beinahe Abstimmung Dann diskutieren wir und schauen Kommen wir auf einen gemeinsamen Nenner?
00:18:41: Wenn ja, stimmen wir natürlich gerne zusammen und da muss man halt auch so kompromissbereit sein.
00:18:46: Und sagen hey ich sehe ein die Person mein Kollege hat hier vielleicht die besseren Argumente Ich habe den Aspekt nicht betrachtet.
00:18:56: Aber wenn nicht dann gibt es auch nicht sowas wie Fraktionszwang oder so Wie manche Leute immer behaupten.
00:19:01: also wir gerade kommunalpolitisch wird auch schon oft Dann durcheinander gestimmt in derselben Partei.
00:19:09: Das ist ganz normal
00:19:11: Und wir haben jetzt, glaube ich auch schon zweimal darüber gesprochen.
00:19:14: Ja okay, Kommunalpolitik ist unterschiedlich von Bundespolitik natürliche aber wie sehr ist man dann eben trotzdem noch an der Bundespolitik gebunden?
00:19:23: Gebunden nicht unbedingt aber es beeinflusst halt.
00:19:26: also kommunal Politik ist ja oft so die Umsetzung von Landes- und Bundespolitik.
00:19:31: das heißt wenn Da muss ich jetzt schon auch inhaltlich werden, wenn die Bundesregierung gerade Scheiße baut und sagt sie wollen erneuerbare Energienplatten machen.
00:19:41: Dann hat das halt Auswirkungen hier bei uns.
00:19:44: Und dann müssen wir natürlich auch vor Ort hier so ein bisschen entscheiden hey investieren wir trotzdem in Solaranlagen, die wir brauchen oder lassen wir das liegen und lassen zu dass unsere Bürger dann teurere Gaspreise bezahlen müssen durch die Bundespolitik, weil man im Stadtrat dann manchmal von Politikern und anderen Fraktionen diese Sprechpunkte, diese Talking Points, die zum Beispiel dann die Bundesregierung in einer Pressekonferenz gebracht hat.
00:20:16: Dass man die eins zu eins hört und sich dann denkt okay ich weiß genau woher das kommt und dementsprechend weiß ich auch genau was ich dagegen zu tun habe.
00:20:25: also man muss immer nah dran sein und sich informieren aber Ehrlich gesagt, kommunalpolitisch auch sehr viel eigene Themen setzen.
00:20:34: Man hat eben deutlich näher an so Vereinen und Initiativen kann man was umsetzen.
00:20:41: Und daher geben sich auch mal Zusammenarbeiten zwischen Parteien, was auf Bundes- oder Landesebene nicht so leicht wäre Weil gerade in so kleineren Städten In München ist es ein bisschen anders.
00:20:53: Aber in so kleinen Städte gibt's meistens keine fixe Regierungs Koalition und Opposition, sondern es gibt wechselnde Mehrheiten.
00:21:04: Und dann muss man eben schauen, dass man ein gutes Verhältnis zueinander hat natürlich immer nur unter den demokratischen Parteien?
00:21:10: Ja
00:21:11: das
00:21:12: würde mich auch interessieren weil der Unterschleißer ist ja so traditionell mehr von der SPD und von der CSU gebrägt.
00:21:19: und wie ist es dann wenn man eine Partei vertritt die es eher zu den Außenseitern gehört oder nicht zu der ANT in Harvard?
00:21:29: Ja, je nachdem wie die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat sind kann man halt schon den Unterschied machen.
00:21:34: Normalerweise ist es so.
00:21:35: also bei uns.
00:21:36: es ist so SPD und CSU sind beide relativ stark im Stadtratt.
00:21:40: das heißt wenn sie sich einig sind haben Sie eine bequeme Mehrheit.
00:21:44: aber sie sind sich oft eben nicht einig gar nicht so sehr weil sie immer besonders unterschiedliche Inhalte haben sondern eher weil sie sich vielleicht aus irgendwelchen Gründen da ja zerstreiten oder so keine Ahnung.
00:21:55: Und wir setzen natürlich so ein bisschen eigene Schwerpunkte und versuchen dann mit den Großen, aber auch mit den Kleinen zu reden.
00:22:03: Und immer so'n bisschen zu basteln an dieser Mehrheit.
00:22:06: Ich bin einer der gerne eine über den Muss.
00:22:10: so ungefähr also.
00:22:11: Wir haben dreißig Leute im Stadtrat Dann noch einen Bürgermeister macht einunddreißig.
00:22:15: Die Hälfte sind sechzehn und ich fühl mich wohl wenn wir siebzehn haben weil eine Person kann immer kurzfristig krank werden oder sich umentscheiden und da haben wir schon einige Anträge leider nicht durchbekommen, weil eine Person dann falsch also wirklich zugesagt hatte dass sie mitstimmt und dann anders gestimmt hat.
00:22:35: Und das ist natürlich total ärgerlich!
00:22:37: Die meisten Bürger verfolgen nicht jede Abstimmung.
00:22:42: deswegen sagen sie hey ihr wolltet doch unbedingt diese Fahrradstraße umsetzen.
00:22:47: wieso habt ihr das denn nicht geschafft?
00:22:48: seid ihr unfähig so ungefähr?
00:22:50: Also man wird immer so ein bisschen verantwortlich gemacht, auch wenn es nicht unbedingt an einem selber liegt umso wichtiger dass man sich dann gut vorbereitet.
00:22:59: Wenn wir jetzt auch Vorbereitungen jetzt auf dem Wahlkampf bezieht wie war das denn so?
00:23:04: Einfach als sich früh im Wahlkampfer fortzubereiten?
00:23:07: als junger Person ich habe mir ja auch vor das hängt sehr viel mit finanziellen Mitteln zusammen die haben ja junge Leute oftmals nicht.
00:23:13: woher kommt das dann?
00:23:14: wie kann man das denn stemmen?
00:23:16: Es
00:23:16: gibt ja Parteien, das ist echt krass.
00:23:18: Die machen so ein bisschen die sagen du musst bezahlen wenn du bei uns auf die Liste kommen willst und das macht meine Partei glücklicherweise nicht weil sowas ist wirklich also finde ich undemokratisch.
00:23:29: Das grenzt ja schon die Leute mit weniger Geld von Anfang an aus.
00:23:33: Das heißt wir haben einfach Crowdfunding gemacht und sehr viel aus unseren Parteierücklagen hier im Ort das finanziert.
00:23:42: Das machen wir so, dass die Stadträte jeden Monat zehn Prozent von dem was sie eben an Aufwandsentschädigung für die Sitzungen haben.
00:23:50: Auch an die Parteispenden und über die Jahre bauen wir das auf um in der Kommunalwald es dann auszugeben weil das wird ja alles auch viel teurer.
00:23:57: also da muss man schon ordentlich reinstecken.
00:24:00: trotzdem haben wir nicht so viel Geld wie eben die zwei ganz großen.
00:24:04: Das merkt man dann in den letzten Wochen, wenn am Infostand hier plötzlich die Luftballons und Würstchen und Brezen-und Freibier auftauchen.
00:24:12: Da denke ich mir immer okay ist eine andere Form Wahlkampf zu machen.
00:24:17: Aber weil du gefragt hast mit der Vorbereitung also normalerweise macht man das so Man schaut sich ein bisschen das Profil an von den anderen Kandidaten und von einem selber Und dann versucht man die Stärken und die Schwächen, die man hat einfach auch klar rauszuarbeiten.
00:24:35: Und das muss gar nicht sein, dass ich dasselbe als Schwäche sehe sondern was in der Bevölkerung als schwächer gesehen wird und meine Jugend zum Beispiel ist etwas was in die Bevölkerung also schwäche gesehen wird.
00:24:44: Deswegen muss man so ein bisschen die politische Kommunikation dann drauf anpassen.
00:24:50: Ich habe zum Beispiel mein Waldmotto war weitblick für Unterschleißheim.
00:24:54: Also ich hab bewusst gesagt hey ich bin jung!
00:24:57: Ich denke an die Zukunft und nicht nur an das nächste Jahr Und hab mit Weitblick natürlich auch so ein bisschen meine Seebehinderung versucht aufzugreifen und ein bisschen witzig zu verarbeiten, weil ich wusste für manche ist das eben auch eine Schwäche von mir.
00:25:09: Weil sie nicht wissen dass es mittlerweile durch Hilfsmittel geht, dass man Stadtrat oder Bürgermeister auch mit Seebehindern gut können kann.
00:25:19: Ich habe eben in der Kommunikation versucht das dann ganz gut so zu verpacken und zu zeigen hey frischer Wind so ungefähr!
00:25:27: Ich hab neue Ideen Ich bin aber gleichzeitig erfahren.
00:25:31: Also ich mach das ja seit zehn Jahren, ich bin seit vier Jahren im Stadtrat... ...ich kann eigentlich schon behaupten dass ich ein bisschen eine Ahnung hab und ja das war eigentlich ne besondere Erfahrung zu sagen hey ich muss auch in mich reinschauen und überlegen wie viel kann ich?
00:25:47: Und wie viele bin ich bereit auch über mich preiszugeben um den Leuten das Gefühl zu vermitteln.. ..dass sich eben trotz meines Alters und trotz meiner Seebehinderung Für manche auch relevant, trotz meiner Migrationsgeschichte eben das kann.
00:26:04: Dass ich Bürgermeister sein kann und es ist total verrückt für viele war's kein Thema.
00:26:10: Manche haben gesagt ja und das Alter ist mir schon wichtig und sie sind mir zu jung.
00:26:15: wir sind eine alte Gesellschaft in Deutschland und ältere Menschen gehen auch häufiger zur Wahl und sind auch häufiger im Stadtrat, wie wir schon gesagt haben.
00:26:24: Das heißt viele haben gesagt sie sind ganz toll, Sie haben ganz tolle Ideen.
00:26:28: beim nächsten Mal wähle ich sie so ungefähr.
00:26:30: Also sie gehen davon aus weil ich so jung angefangen habe.
00:26:33: das ist auch ein bisschen eine falsche Wahrnehmung die die Leute haben.
00:26:36: Weil ich so jungen angefangen hab werde ich es jetzt dreißig Jahre lang versuchen und jedes mal wieder anträgen.
00:26:41: Genau meine Seebehinderung war für manche auch ein Thema.
00:26:45: da habe ich eben ein bisschen versucht da die Ängste zu nehmen, indem ich erklärt habe wie ich zum Beispiel in einem Ausschuss arbeite und so weiter.
00:26:54: Und ehrlich gesagt waren für manche auch andere Themen wichtiger.
00:26:57: also meine langen Haare waren für viele ein Thema.
00:27:00: oder dass wenn ich ja Bürgermeister würde, die Stadt keine First Lady hat weil ich halt unverheiratet bin.
00:27:06: Also für mancher... Ich hab mich sehr gewundert muss ich ehrlich sagen.
00:27:09: Manche Themen die ich in dieser Analyse über meinen Stärken und Schwächen gar nicht auf dem Schirm hatte sind dann trotzdem aufgekommen.
00:27:16: Nicht nur negative, also auch viel positives Feedback habe ich nicht so erwartet.
00:27:21: Ich glaube jetzt so ein Vorteil, den man junge Personen zu Beispiel auch hat dass man eben so namischer sein kann das man für neue Impose steht.
00:27:27: aber ist es auch wenn man so auf Social Media zum Beispiel sprechen kommt, dass sich das sieht man ja vor allem auf der Bundes- oder Landungspolitik Dass es da immer mehr zur Social Media auch hingeht und dass da auch immer mehr Politik darauf gemacht wird.
00:27:37: Und du bist hier auch relativ aktiv auf dein Instagram Account.
00:27:40: Wie wichtig war denn für dich oder auch für euch einfach, die Partei jetzt als Social Media in der Kommunalpolitik.
00:27:47: Es ist
00:27:48: super wichtig!
00:27:49: Das einzige Problem ist so ein bisschen dass man halt nicht genau lokal seine Sachen ausspielen kann.
00:27:54: also ich habe viel Reichweite teilweise bekommen aber nicht nur von Leuten hier in Unterschleißheim und bei einer Kommunalwahl wirst du ja das die Leute in Unterscheißheim das mitkriegen.
00:28:04: es hat trotzdem die Runde gemacht und ich wurde oft darauf angesprochen es ist halt eine super direkte authentische, wenn man es richtig macht natürlich Form der Kommunikation.
00:28:16: Weil ja wir haben es am Anfang gesagt die Lokalpresse zieht sich ja irgendwie zurück.
00:28:21: also Kostendruck und so von Lokalzeitungen die kürzen eigentlich alles ein und dementsprechend wird's gar nicht mehr so leicht direkt mit den Bürgerinnen und Bürgern zu reden.
00:28:31: und überhaupt lesen ja Lokalzeitungen eher dann auch ältere Leute größtenteils.
00:28:38: Ich habe ja explizit im Wahlkampf versucht, Leute zu erreichen die nicht so im Stadtrat und in der Lokalpolitik sichtbar sind.
00:28:45: Und dazu gehören eben junge Menschen und deswegen habe ich ganz bewusst versucht auf Social Media vielzumachen.
00:28:50: Ich glaube auch dass es ganz gut funktioniert hat.
00:28:52: aber man muss das natürlich sehr langfristig aufbauen.
00:28:55: also... Das ist jetzt nichts, was von heute auf morgen so geht.
00:28:59: Ich wollte nicht auf so pseudo-provocative Sachen eingehen oder Rageblade machen sondern ich habe wirklich versucht sehr authentisch zu sein und zu sagen hey!
00:29:09: Ich hab hier ein paar Ideen und nicht jetzt auf Skandal, Skandal um Reichweite zu bekommen künstlich.
00:29:14: deswegen dauert das halt ein bisschen länger bis die Leute da auch etwas mitkriegen davon.
00:29:18: also ich mach das ja schon seit ich glaube fünf Jahren relativ aktiv und seit mindestens drei auch mit vielen Videos.
00:29:25: Und ich glaube, erst in den letzten Monaten haben die Leute sich mehr darum gekümmert auch drauf zu gucken.
00:29:30: Vielleicht auch weil sie gelesen haben das ich halt Kandidier als Bürgermeister und dann schauen wollte was macht er denn so auf Social Media?
00:29:37: Was hat der für Ideen?
00:29:39: Und ja ehrlich gesagt am meisten wurde ich darauf angesprochen auf das Video wo ich über ein E-Scooter springe.
00:29:45: Ich liebe das Video!
00:29:46: Das war gar nicht so inhaltlich, das war eher ein Protest und manche haben es gar nicht verstanden.
00:29:51: Es war auch total spannend zu sehen wie die Leute sich auf Social Media relativ schnell aufregen ohne die Hintergründe zu kennen.
00:29:57: also dass ist auch so ein Ding.
00:29:59: Social media ist ja wieso oft nicht nur gut kann auch ziemlich scheiße sein.
00:30:03: ich bekomme sehr viele Hasskommentare aber ja es ist halt eine sehr schöne Form auch direkt mit den Leuten zu reden.
00:30:10: Ja wie du schon meintest ist ja immer noch sehr... Weites Letztes, das man dann immer raus ist bei Social Media.
00:30:16: Und dass dann eben so traditionelle Wahlkampfe tun wir vielleicht trotzdem immer noch.
00:30:19: So der Schwerpunkt sind, weil man da wirklich zu lokal die Leute ansprechen kann.
00:30:23: Wie war denn dann der Haus für Wahlkampf für dich oder so Podiumsdiskussion?
00:30:27: Oder Infostände?
00:30:29: Also Infostünde machen wir bei uns immer... Das ist total spannend!
00:30:33: Da gibt es einfach eine Tradition unter den Parteien, dass man immer das am Wochenmarkt Samstag-Vormittag hier im Rathausplatz macht und irgendwann je später es Richtung Wahl ging desto mehr Parteien waren dann da.
00:30:45: Das war so ein richtiger Block an Parteiständen und irgendwann merkt man schon, die Menschen haben Angst davor.
00:30:51: Es ist einfach zu viel und dann gehen sie ein bisschen drumherum.
00:30:54: Hausjürg-Wahlkampf gibt es immer so ein paar besondere Methoden.
00:30:57: Manche machen das einfach da wo sie glauben, wo Leute sind, die uns wohlgesonnen sind.
00:31:03: Manchen machen das in der eigenen Nachbarschaft weil wenn Persönlich jemanden kennt, ist es leichter Sympathie zu empfinden und in der Kommunalwahl wird sehr viel nach Personen gewählt.
00:31:13: Also sehr viele Leute wählen total Kreuzung quer alle Parteien halt die Leute die sie kennen und mögen.
00:31:18: Ich mach das ein bisschen.
00:31:19: da habe ich halt den politik- wissenschaftlichen Hintergrund.
00:31:22: Ich mache dass ein bisschen nach Wahldaten.
00:31:24: also halte sich schau In welchen Gebieten sind ganz gute Wahlpotenziale für mich Und eben für meine Partei und hab da mehr hauste Wahlkampf gemacht.
00:31:34: Ich würde sagen, so neunzig Prozent der Leute die Tür aufmachen sind auch super nett und freuen sich dass man sich darum kümmert.
00:31:40: Und ich bin ja nicht nur da um zu sagen hey will mich sondern auch zu fragen, ob die Leute irgendwelche Themen haben, die ihnen besonders wichtig sind.
00:31:48: Und da gab es ganz viele spannende Geschichten.
00:31:51: Also wirklich eine ältere Dame, die mich zum Tee trinken eingeladen hat und gesagt hat ja sie ist nicht mehr so gut zu Fuß und die Einkaufsmöglichkeiten in ihrer Nähe haben geschlossen und wenn sie nicht Nachbarn hätte, die ihr helfen würden dann wäre sie ziemlich aufgeschmissen.
00:32:05: Das mal konkret und direkt zu hören von Leuten, die das selber erleben, ist einfach viel besser als in einer Stadtratsvorlage im Text zu hören, okay dieser Supermarkt schließt jetzt.
00:32:17: Das hat diese und diese finanziellen Auswirkungen zum Beispiel?
00:32:20: Ja wenn man dann vielleicht auch zu einem Thema kommt das finde ich auch sehr präsent ist aber oft spricht man eben mit Leuten.
00:32:27: die sind dann eben sehr politikverdrossen.
00:32:29: wie gehst du damit um?
00:32:31: und dann vielleicht vor allem in Bezug auf junge Menschen.
00:32:34: also gibt es eine bestimmte Art und Weise wie man die ansprechen kann?
00:32:37: Vielleicht gibt's einer den ich nicht kenne die besser ist.
00:32:40: Ich versuche einfach mit Nachfragen ein bisschen zu zeigen, dass sich Leute kümmern.
00:32:46: Also das ich mir Zeit nehme.
00:32:48: Haust du Wahlkampf zum Beispiel?
00:32:49: Da soll man ja recht schnell viele Türen abklappern und eigentlich so viele Leute wie möglich erreichen weil es ist wirklich so'n Tool überhaupt.
00:32:57: Wahlkampffissjahr auf Mobilisierung da musst Du die Masse erreichen!
00:33:00: Und ich hab ganz bewusst gesagt ne wenn jemand jetzt Redebedarf hat und sei's weil die Person wütend isst dann pausier ich auch so'nn bisschen mein Wahlkampftempo und lass mir ein bisschen Zeit in dem Moment.
00:33:11: Ich glaube, das ist schon mal ganz hilfreich für manche Leute.
00:33:14: Ist es wirklich schwer in einem Gespräch?
00:33:16: Also ich glaube da ist das persönliche Umfeld eigentlich wichtiger.
00:33:20: Deswegen finde ich so Trainings gegen Stammtischparolen zum Beispiel super wichtig und fände das eigentlich gut wenn wir das auch breiter in die Gesellschaft tragen und so wirklich Multiplikatoren finden die so was ganz gut umsetzen können in ihrem persönlichen Umfeld, weil bei manch ist diese Wut natürlich sehr aufgehetzt durch Populisten, Antidemokraten oder Social Media.
00:33:44: Die ist so klar, so deutlich dieser Wut dass einfach weil man da steht als Person und Vertreter einer Partei wird man für alles verantwortlich gemacht und da findest du eigentlich normalerweise keinen Zugang in wenigen Minuten.
00:33:58: Bei manchen hat es aber auch eine inhaltliche Grundlage.
00:34:01: Also die regen sich auf und sagen, hey mir hört keiner zu weil ich sage seit Jahren in der Bürgerversammlung dass hier meine Kreuzung nicht barrierefrei ist oder so.
00:34:09: Und bei mir wird es immer schlimmer und ich komme nicht zurecht und ich werde nicht gehört.
00:34:14: und da kann man normalerweise ansetzen und sagen Hey!
00:34:17: Ich wusste noch nichts davon.
00:34:19: danke das Sie's mir gesagt haben.
00:34:20: wir bleiben in Kontakt.
00:34:21: ich versuch was ungefähr bei Leuten Politik verdrossen sind, soweit das es fast so eine Art Demokratie-Verdress wird.
00:34:30: Da ist es unfassbar schwer!
00:34:31: Da kannst du das im Wahlkampf eigentlich nicht machen.
00:34:33: da musst du wirklich sehr zaghaft und langfristig aufbauen und wie ich schon sagte eben am besten über einen persönlichen Kontakt.
00:34:41: Und mittlerweile ist es ja so.
00:34:42: Ich glaube wir alle haben im weiteren Umfeld vielleicht jemandem bei dem sowas in die Richtung geht und ich glaub ein wichtiger Bürgerauftrag für uns ist eigentlich sich um solche Leute zu kümmern Auch wenn es super anstrengend ist, auch mit solchen Leuten zu reden.
00:34:57: Nicht so pseudo-mäßig immer den Leuten rechtzugeben, wenn sie zum Beispiel rassistische Sachen sagen!
00:35:03: Also, das ist nicht verständnisvoll für einander da sein.
00:35:06: Sondern zuhören und versuchen klarzumachen, dass diese Abwertung die manche Leute eben in sich tragen von anderen Gruppen nicht dazu führt, dass sie selber ein besseres Leben haben werden.
00:35:17: Und normalerweise ist das ja die Grundlage, dass die Leute ein bessers Leben haben wollen, dass Sie mehr Anerkennung haben wollen.
00:35:22: Dass sie sich eben wenig gesehen oder gehört fühlen.
00:35:25: Das ist super psychologisch auch.
00:35:27: Super kompliziert!
00:35:28: Ich habe nicht die eine Lösung aber im Wahlkampf glaube ich... ist es so ein bisschen die Methode, die hilft und weil darüber hinaus muss man wirklich sich Zeit voneinander nehmen.
00:35:38: Das ist super spannendes, superschwieriges Thema.
00:35:41: Auf jeden Fall!
00:35:42: Aber jetzt hat auch einfach... Weil ich finde das auch ein super aktuelles Thema ist und weil du auch über diese Wut geredet hast Es gibt ja immer mehr Anfeindungen gegen Kommunalpolitikerin, weil sie eben diese Repräsentation sind für viele Menschen.
00:35:54: Also wie gehst du zum Beispiel damit um oder hattest du schon solche Erfahrungen oder deine Kollegen?
00:35:59: Ich hatte schon solche Erfahrungen verbal, also beleidigend versucht.
00:36:06: Also jemand hat am Stand versucht mich zu schlagen, das ist auch schon ein paar Jahre her.
00:36:10: dann eben Hasskommentare und teilweise Mordrungen online oder Leute die versuchen einen einzuschüchtern ja dass sie von ein paar Jahren zum Beispiel nach einer Demo mir nach Hause folgen.
00:36:21: sowas passiert leider und viele Das Allermeiste davon soll ja wirklich einschüchtern und soll dieses Engagement unterbinden.
00:36:29: Und ich glaube ehrlich, dass das bei vielen funktioniert.
00:36:33: Wie ich damit umgehe ist es normalerweise denke ich gar nicht dran.
00:36:37: Die Allermeisten zum Beispiel Hasskommentare oder Beleidigungen am Infostand – da weiß ich, dass es geht nicht um mich!
00:36:43: Die Person beleidigt jetzt gerade das Bild von einem Vertreter von z.B.
00:36:48: einer Partei die sie hasst.
00:36:50: Da muss man versuchen... zwischen diese Zwischenebene immer sich bewusst zu machen, sonst zerbricht man daran.
00:36:57: Dass so viel Hass in der Welt ist gerade wenn man ja einen positiven Anspruch hat zu sagen hey ich will dass die Menschen ein besseres Leben haben und will eben, hab so ein positives Menschenbild auch.
00:37:09: Da kann man schon dran zerbrechen wenn man dieses Zwischenmedium immer nicht vor Augen hat.
00:37:14: Manche Hasskommentare, Drohungen
00:37:16: etc.,
00:37:17: sehr selten aber schon ein paar die gehen mir dann schon recht nahe, wenn sie konkret sind.
00:37:22: Wenn du merkst da hat sich jemand auch Mühe gegeben über mich zu recherchieren Hat gesehen hey der Typ sieht schlecht.
00:37:29: zum Beispiel das kann man bei vielen Videos gar nicht sehen dass ich schlecht sehe Und manche schreiben dann keine Ahnung.
00:37:35: Ich habe gesehen Der ist blind.
00:37:36: Lass uns treffen und ihn nach Hause verfolgen, so ungefähr.
00:37:39: Das ist schon ein paar Mal passiert dass jemand das geschrieben hat Und da habe ich schon so ein bisschen ein mulmiges Gefühl.
00:37:46: Ja
00:37:46: danke es klingt alles nicht so schön.
00:37:48: aber um das jetzt vielleicht auch zum Abschluss eine eher zukunftsgerichtete Perspektive zu rücken was würdest du ihnen wünschen also für strukturelle Veränderungen?
00:37:57: Vielleicht auf junge Person oder einfach generell für die Kommunalpolitik
00:38:01: Also allgemein erst mal nicht nur für die Kommunalpolitik würde ich mir wünschen, dass es keine Wahl altersbegrenzung mehr gibt.
00:38:08: Weil das verpflichtet dann auch Schulen und junge Menschen sich mit Politik auseinanderzusetzen.
00:38:13: Und dann wünsche ich mich natürlich gerade von den Parteien her und sage jetzt explizit alle Manche machen das schon ein bisschen besser als andere aber wirklich explizite alle Dass sie auch sehr viel niederschwelligere Onboarding-Angebote zum Beispiel für junge Menschen machen So was wie eine Prompe mit Gliedschaft.
00:38:32: Das gibt es ja schon bei manchen.
00:38:33: und so Projektbezogen, dass man ein bisschen reinschluppert und sieht hey das funktioniert eigentlich ganz gut.
00:38:39: ich kann da etwas bewirken.
00:38:41: Und für die Kommunalpolitik strukturelle Änderungen?
00:38:45: Ich glaube das bezieht sich nicht nur auf junge Leute aber ist auch ein wichtiger Punkt für junge Leute.
00:38:49: also sechs Jahre Amtsperiode ist super lang.
00:38:53: und wenn man als achtzehn oder zwanzigjährige da reingeht und keine Ahnung gerade Abi macht und vielleicht dann eine Ausbildung irgendwo anders macht oder ein Auslandssemester, dann gibt es das Kommunalwahlrecht im Moment nicht her.
00:39:07: Dass man sagt ich bin jetzt einen Jahr lang im Ausland und komme dann wieder zurück.
00:39:12: Und in diesem Jahr werde ich vertreten zum Beispiel von der nächsten Person auf der Liste.
00:39:16: so was ist zurzeit nicht erlaubt?
00:39:18: Deswegen müssen viele junge Leute die vielleicht sogar super engagiert sind und da angefangen haben auch rausgehen weil sie eben sich in ihrem Leben so viel verändert.
00:39:28: Das ist auch so ein bisschen ein Unterschied.
00:39:30: Senioren haben sehr viele Jahrzehnte, vielleicht schon in einem Ort sich was aufgebaut und die bleiben dann auch.
00:39:35: Bei jungen Menschen ist das Leben einfach viel dynamischer.
00:39:38: Das gilt auch für die Uhrzeiten, die die Sitzungen haben.
00:39:42: Es geht dann so ein bißchen in das Thema Kehrarbeit und Familienfreundlichkeit rein weil teilweise gehen die Sitzungen eben abends bis tief in die Nacht.
00:39:50: Und das ist einfach nicht familienfreundlich!
00:39:52: Viele Leute sind insbesondere Frauen, weil die Kehrbeit gerecht verteilt ist, die nehmen dann Abstand davon und sagen okay ich gehe nicht in den Stadtrat und werde mich da nicht für aufstellen lassen weil ich nicht die Zeit habe und meine Familie nicht vernachlässigen will.
00:40:07: Dann ist noch das Thema vielleicht Hybridesitzungen?
00:40:10: Das während Corona wurde das ja viel diskutiert und die meisten Orte haben das nicht und das wäre natürlich auch eine Möglichkeit für junge Menschen die zum Beispiel mal ein Monat irgendwo ein Auslandspraktikum machen oder so.
00:40:24: Oder auch für Menschen mit Behinderung, die aus irgendwelchen Gründen gerade eben körperlich es nicht schaffen zur Sitzung zu kommen dass sie besser eingebunden werden und das ist ja schon heftig zu sehen.
00:40:36: der Frauenanteil in der Kommunalpolitik in Bayern ist niedrig Der Jugendanteil ist noch schlechter, der Anteil von Menschen mit Behinderungen ist grottenschlecht.
00:40:45: Also als ich Stadtrat wurde vor vier Jahren, kam die Lokalzeitung und hat großgetitelt der erste blinde Stadtrat in Bayern.
00:40:52: Und ich weiß nicht ob das stimmt aber wenn es stimmt ist dass sowas von erbärmlich.
00:40:56: Das kann man sich gar nicht vorstellen.
00:40:58: also Menschen mit Behinderungen sind dreizehn Prozent der Gesellschaft und wenn da nicht mal einer unter tausend im Kommunalparlamenten eine Behinderung hat Das ist schon heftig.
00:41:09: Und da merkt man, diese Perspektive fehlt einfach bei Menschen mit Rassismus-Erfahrung oder mit Migrationsgeschichte.
00:41:16: es ist genauso.
00:41:17: Kommunalpolitik ist noch viel weniger divers als die anderen Ebenen und das sieht man dann in den Ergebnissen.
00:41:23: ja dass zum Beispiel Gelder für Jugendzentren eben nicht verlängert werden oder hier irgendwelche Kulturfeste internationale Kulturfeste gekürzt werden bevor man eben irgendwelchen Brauchtumsvereine ein bisschen weniger finanzieren Weil die Leute, die im Stadtrat sitzen halt alle Mitglieder in diesen Brauchtumsvereinen sind.
00:41:43: Aber wahrscheinlich keiner beim IFTAR dabei ist und dementsprechend einfach diese Realitäten so auseinanderlaufen dass man nicht voneinander Politik macht Und das finde ich ziemlich kacke.
00:41:55: ehrlich gesagt und das würde ich gerne ändern Das ist einerseits eine strukturelle Frage wie du gesagt hast aber es is auch ne Frage der politischen Kultur Und gerade so Ballungsräume wie München Die Vororte des waren früher eben kleinere Dörfer und die Leute wie in Unterschleißern zum Beispiel unterschleissern ist jetzt mittlerweile eine Kleinstadt mit sehr internationaler Bevölkerung, sehr multikulturell, sehr divers.
00:42:20: Aber im Stadtrat wird es noch nicht so anerkannt von allen und dementsprechend machen wir gerade irgendwie nur Politik in vielen Punkten.
00:42:27: also ich will das jetzt nicht so negativ darstellen aber manche machen Politik nur für den Inner Circle.
00:42:44: Auch wenn Kommunalpolitik
00:42:46: für viele junge Menschen zunächst kompliziert oder weitetpferd wirken kann, hat das Gespräch mit Bernhard Schüßler gezeigt, dass Engagement auf lokaler Ebene durchaus möglich.
00:42:54: Im Interview wurde deutlich wie sein persönlicher Weg in die Politik begonnen hat und welche Erfahrungen er als junger Mensch im Gemeinderat macht.
00:43:01: Gleichzeitig hat er beschrieben, welche Herausforderungen es geben kann.
00:43:05: Damit sind wir am Ende dieser Podcastfolge angekommen!
00:43:08: Vielen Dank fürs Zuhören.
00:43:08: Wenn euch der Podcast gefallen hat, dann abonniert und bewertet ihn gerne!
00:43:12: Alle weiteren Details findet ihr in den Show noch bis zum nächsten Mal.